Kirchen zum Mitnehmen - mit dieser Idee wollen Arbeitsgruppen-Mitglieder die Bekanntheit und Popularität der Gotteshäuser im Landkreis steigern. Sie haben eine Postkarten-Reihe mit Motiven von sanierten Kirchen in Auftrag gegeben.

Danstedt l Schon von Weitem sind sie als Wahrzeichen einer Ortschaft auszumachen: die Türme und Dächer von Dorfkirchen. Sie sind ebenso seit Jahrhunderten die stummen Zeugen politischer und gesellschaftlicher Entwicklung sowie von Familienereignissen und Ortsfesten. Kein Wunder also, dass 45 Gotteshäuser aus dem Harzkreis die Motive einer neuen Sammel-Postkarten-Reihe sind. Sie erscheinen in einer ersten Auflage von je 1000 Stück.

"Es wäre schön, wenn die Menschen, die in den Orten leben oder hier zu Besuch sind, die Kirchen wieder kennenlernen wollen."

Michael Schmidt, Leadermanger für Regionen Nordharz und Rund um den Huy

Noch etwas verbindet die Bauwerke: Allesamt wurden sie seit 2008 mit Leader-Förderprogrammen unter Feederführung der Europäischen Union saniert. 25 Kirchen im Altkreis Wernigerode und 20 im Raum Halberstadt erhielten kleinere Schönheitsreparaturen bis hin zu Rekonstruktionen. "Es wäre schön, wenn die Menschen, die in den Orten leben oder hier zu Besuch sind, die Kirchen kennenlernen wollen", sagt Michael Schmidt, Leadermanger für die Regionen Nordharz und Rund um den Huy. Man wolle mit den Postkarten die Neugierde wecken und motivieren, die Häuser zu besichtigen.

So sind die Karten in den jeweiligen Gotteshäusern ausgelegt. Wer alle Motive besitzen möchte, muss jede einzelne Kirche besuchen. Für alle, die die Sammelleidenschaft packt, sind in Tourismusinformationen im Landkreis Sammelmappen samt Faltplänen kostenlos erhältlich. Die erste Auflage von 500 Stück wurde auf ökologischem Papier gedruckt und teilweise von Menschen mit Handicap angefertigt.

Auf den Plänen werden die beteiligten Leader-Arbeitsgruppen vorgestellt und sind die Standorte, Öffnungszeiten sowie jeweiligen Ansprechpartner der Gotteshäuser vermerkt. "Natürlich kann man die Postkarten auch nur verschicken", sagt Michael Schmidt scherzhaft und fügt ernst hinzu: "Kirchen sind wichtige Anlaufstellen im Ort."

Diese Meinung unterstreicht ebenfalls Reiner Hochapfel, Vorsitzender der Leader-Arbeitsgemeinschaft Harz. "In Zeiten, in denen die Dorfgemeinschaftshäuser nicht weiter gefördert werden, werden Kirchen zum Mittelpunkt des dörflichen Lebens", betont der Wernigeröder. "Gerade im ländlichen Raum spielen sie eine wichtige Rolle. Durch sie kommt mehr Aktivität, mehr Leben in die Gemeinde."

Die Sanierung von Dorfkirchen zu fördern sei deshalb umso wichtiger, so die Experten. Dass dies nicht immer einfach ist, steht für sie fest. "Wir haben die Förderprogramme von Beginn an begleitet", erinnert sich Heinz-Dieter Hünsche vom Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten. "Dabei haben wir viel Stress miterlebt." Als Beispiel führte er die Erlöserkirche in Benzingerode an. "Das Projekt hat klein angefangen. Aber statt wie geplant in einem Jahr fertig zu sein, sind wir nun schon im dritten", so Hünsche. Ziel sei es, die Kirche zu erhalten. Schwammbefall entpuppte sich als schwerwiegendes Problem, mit dessen Ausmaß vor Beginn der Arbeiten niemand gerechnet hatte.

"In Zeiten, in denen die Dorfgemeinschaftshäuser nicht weiter gefördert werden, werden Kirchen zum Mittelpunkt des dörflichen Lebens."

Reiner Hochapfel, Vorsitzender Leader-Arbeitsgemeinschaft Harz

Weiter erinnert Heinz-Dieter Hünsche an das Schicksal der Nicolai-Kirche in Eilenstedt. Nach einer fehlerhaften Sanierung des Turms musste dieser komplett abgetragen werden. Seit Jahren engagieren sich die Einwohner, einen adäquaten Ersatz zu erhalten, den sie nicht nur kirchlich nutzen wollen. Ebenso sollen ein Museum und ein Turnraum Platz finden. Dank ihres Einsatzes konnten die ersten Räume bereits errichtet und eingeweiht werden, ebenso eine neue Winterkirche. Sie wurde als Motiv für eine der Postkarten gewählt.

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