Wernigerode l Für Hassan Razzak steht fest, er und seine Familie werden Wernigerode den Rücken kehren - aus Enttäuschung über das Verhalten der Wernigeröder Verwaltung. "Ich lebe seit zehn Jahren in Deutschland. So etwas ist mir noch nie passiert", sagt der Biotechnologe, dessen Wurzeln in Israel und im Libanon liegen. "Für mich spielt eine Rolle, wie mit mir als mündigem Bürger umgegangen wird."

Was war geschehen? Razzak lebt seit August 2012 an der Schönen Ecke. Als die Burgstraße im vergangenen Jahr saniert wurde, entfielen zahlreiche Anwohnerparkplätze. "Darüber hinaus wurden weitere öffentliche Parkplätze gesperrt, da die Lastwagen zur Baustelle hin und zurück den Platz brauchten", erinnert sich der Genetiker im Volksstimme-Gespräch. "Wir haben darunter gelitten, am schlimmsten war der Fleiß der Politessen."

Vom Ordnungsamt Wernigerode vertröstet

Im Ordnungsamt beteuerte die zuständige Mitarbeiterin gegenüber Hassan Razzak, es sei ein Problem der Politik, und sie könne und dürfe keine Rücksicht auf die angespannte Parksituation nehmen. "Sie hat mir vorgeschlagen, die Stadtverwaltung anzuschreiben, was meine Ehefrau auch getan hat", so Razzak. "Wir wurden auf Oktober 2013 vertröstet, da das gesamte Verkehrskonzept der Stadt von einem Planungsbüro öffentlich vorgestellt werden soll. Einen konkreten Termin gab es nicht."

Verwaltungssprecher Andreas Meling bestätigt Volksstimme gegenüber, dass Baudezernent Burkhard Rudo Familie Razzak am 5. Juli eine Antwort auf ihre Anfrage geschickt hatte: "Eine abschließende Information an Herrn Razzak gab es danach jedoch nicht, weil das Verkehrskonzept noch nicht fertiggestellt wurde."

Nachdem Razzak weitere Strafzettel kassierte, entschied er sich im August, den Wernigeröder Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) persönlich um eine Lösung zu bitten. "Konkrete Vorschläge hatte ich parat." In einer E-Mail an die Verwaltung bat er um einen Termin.

"Etwa einen Monat später habe ich die E-Mail noch einmal gesendet", berichtet er. "Dann habe ich einen Brief direkt an den Oberbürgermeister geschrieben. An einem Brückentag im Oktober bin ich persönlich ins Rathaus gegangen." Dort traf er auf einen Bekannten, der im Rathaus arbeitet. "Er hat mir seine Hilfe angeboten und ist mit mir zu seiner Kollegin Petra Bothe (Mitarbeiterin in der Rathaus-Pressestelle, Anm. d. Red.) gegangen. Ich habe bei ihr meine Kontaktdaten hinterlassen - man werde mich kontaktieren." Doch das geschah nicht.

"Es geht mir schon lange nicht mehr um die Baustelle. Keine Antwort - als ob ich kein Recht darauf habe." - Einwohner Hassan Razzak

Im Dezember rief Hassan Razzak schließlich bei Andreas Meling, dem Büroleiter des Oberbürgermeisters an. "Am Telefon war er entgeistert, wie man mich behandelt hatte." Trotzdem - gemeldet hat sich bei Hassan Razzak auch daraufhin niemand.

Vom Wernigeröder Rathaus keine Antwort

Die Baustelle ist mittlerweile verschwunden, und die Parksituation an der Schönen Ecke hat sich entspannt. Doch die Art und Weise, mit der Hassan Razzaks Bitte im Rathaus behandelt wurde, hinterlässt bei ihm einen bitteren Nachgeschmack. "Es geht mir schon lange nicht mehr um die Baustelle, sondern darum, dass der Oberbürgermeister samt Apparat von meinen Steuern lebt und eine gesamte Stadtverwaltung nicht in der Lage ist, einen Brief an mich zu schicken. Keine Antwort - als ob ich kein Recht darauf habe."

Er fragt sich, was der Grund dafür ist: "Der Verlauf dieser Geschichte ist äußerst eigenartig, so dass ich auf die dollsten Ideen komme."

Andreas Meling zufolge hatte Hassan Razzak die Möglichkeit, sich bei den öffentlichen Veranstaltungen des Arbeitskreises für Verkehr und Mobilität zu beteiligen. Mehrere seiner Vorschläge zur Lösung des Parkproblems seien zudem von der Verwaltung aufgegriffen worden.

Bürgermeister muss auf Fachdezernenten verweisen

So seien Kurzzeitparkplätze in der Burgstraße in Anwohnerparkplätze umbeschildert worden. "Außerdem hatte er vorgeschlagen, einen großen, meist leeren Parkplatz in der Marktstraße nachts für Anwohner zur Verfügung zu stellen. Wir würden uns das auch wünschen", so Meling. "Aber leider spielt der Betreiber da nicht mit."

Bürgersprechstunden, wie sie andere Verwaltungen anbieten, gebe es in Wernigerode "traditionell bedingt" nicht. "Es hat sie nicht bei Horst Weihrauch und nicht bei Ludwig Hoffmann gegeben", sagt Meling. "Es besteht aber immer die Möglichkeit, im Sekretariat einen Termin zu vereinbaren."

Meist könnten die Anliegen der Bürger ohnehin nicht vom Oberbürgermeister persönlich beantwortet werden, sondern müssten bei den Fachdezernenten "auf der Arbeitsebene" besprochen werden, wie der Leiter des Oberbürgermeister-Büros erklärt.