In der Debatte um Offiziers-Gräber in Blankenburg legt Eberhard Schröder (Die Linke) noch einmal nach. Er kritisiert das Entgegennehmen des Eisernen Kreuzes der Fregatte "Emden V" durch Bürgermeister Noll (CDU).

Von Jens Müller

Blankenburg l Eberhard Schröder, Kreistagsabgeordneter der Partei Die Linke und Büroleiter von Landtagsmitglied André Lüderitz in Blankenburg, sieht sich in der Debatte um die Offiziers-Gräber auf dem Blankenburger Friedhof missverstanden. "Ich übe nicht Kritik an der Friedhofssatzung von Blankenburg, sondern am Umgang in der aktuellen Politik. Es stellt sich die Frage nach dem Geschichtsverständnis und nach der Tradition, in der Bürgermeister Noll sich als Verantwortungsträger seiner Stadt sieht", macht Schröder seine Position noch einmal deutlich.

Das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen brachte für ihn eine Mitteilung auf der Internetseite der Stadt Blankenburg. Dort steht: "Am Sonntag, dem 19. Januar 2014, überreichte Fregattenkapitän Hendrik Hülsmann gemeinsam mit Leutnant Jens Rademacher in Gedenken an Kapitän Karl von Müller Bürgermeister Hanns-Michael Noll eine Replik des Eisernen Kreuzes, welches die Folgegenerationen der S.M.S. Emden - zuletzt die Emden V - zierte."

Laut Schröder wurde das Eiserne Kreuz dem Kreuzer "Emden" seinerzeit für fragwürdige "Verdienste" verliehen, die Karl von Müller als Kommandant von 1913 bis 1914 zu verantworten habe: Kanonenfeuer vom Jangtse-Fluss auf Chinesen, die sich gegen die deutsche koloniale Unterdrückung erhoben hatten; Kanonenfeuer auf das indische Madras mit Tötung von Zivilisten; Versenkung zahlreicher Handelsschiffe im indischen Ozean; Tod von 136 Besatzungsmitgliedern der Emden nach einem Befehl von Müllers zum Gefecht in aussichtsloser Lage. Dieses Eiserne Kreuz trug auch die "Emden III", die 1941 aktiv am Überfall des faschistischen Deutschlands auf die Sowjetunion beteiligt war. Karl von Müller war zudem seit 1920 Abgeordneter der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) im Braunschweigischen Landtag. Diese Partei wandte sich bereits in ihrem Programm von 1920 "gegen die immer verhängnisvoller hervortretende Vorherrschaft des Judentums", hat Schröder recherchiert. Der Deutsche Bundestag bewerte die DNVP als antidemokratisch.

Im Blankenburger Rathaus gab es bereits eine Ausstellung über Karl von Müller, und an seinem ehemaligen Wohnhaus erinnert eine Plakette an ihn. "Die Bundeswehr-Besatzung der Emden ehrt von Müller und sein zweifelhaftes politisches und militärische Erbe seit Jahren in Blankenburg. ,In ehrendem Gedenken - Die Besatzung der Emden` ist auf der Kranzschleife zu lesen, die Anfang Februar 2014 an seiner Grabstätte liegt", so Schröder.

Hanns-Michael Noll (CDU) reagierte gelassen auf diese Kritik. "Das Eiserne Kreuz wurde bereits 1813 auf Veranlassung des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III. als Auszeichnung eingeführt, um über jeden Stand hinaus besondere Verdienste zu ehren", so der Bürgermeister. Auch wenn es der "Emden" unter den Vorzeichen des Kaiserreiches verliehen wurde, so sei es doch immer noch ein Symbol für Freiheit. Nicht zuletzt habe die "Emden V" und ihre Besatzung, zu der Blankenburg enge Kontakte pflegt, über 30 Jahre auf allen Weltmeeren mit diesem Bugzeichen ihren Dienst versehen - als Garant für Frieden, Recht und Freiheit.

Außerdem ist er der Auffassung, dass sich Kapitän Karl von Müller trotz seines militärischen Ranges und seines Kriegsauftrages menschliche Würde erhalten hat und dafür auch international immer noch hoch geschätzt wird.

Wie Noll weiter erklärte, habe das Eiserne Kreuz der inzwischen außer Dienst gestellten Bundeswehr-Fregatte nicht nur in Blankenburg einen würdigen Platz gefunden, sondern auch in der Partnerstadt des Schiffes in Emden. "Dort hat es ein SPD-Bürgermeister feierlich in Empfang genommen und wird sogar im Museum ausgestellt", erklärte Noll. Die Emdener um Oberbürgermeister Bernd Bornemann bemühen sich sogar darum, dass es wieder ein Marineschiff mit dem Namen "Emden" geben wird. Dann soll das Eiserne Kreuz erneut am Bug prangen - als einzigem Schiff in der Bundesmarine.

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