Reddeber l"Irgendetwas stimmt hier nicht", sagt Klaus Schröder* aus Reddeber. Im Januar war sein Kater "Columbo" von einer seiner Touren nicht mehr zurückgekehrt. Seitdem ist er spurlos verschwunden. Seinen letzten Streifzug hatte der Freigänger mit der auffälligen Zeichnung am Kopf am 30.Januar unternommen, berichtet Klaus Schröder. "Er hat sich nie weit vom Haus entfernt. Außerdem kehrte er zu festen Zeiten nach Hause zurück. Man konnte die Uhr nach ihm stellen", sagt Schröder.

Dass er im Teich ertrunken ist, schließt der Katzenfreund aus, denn der war Ende Januar noch zugefroren. Gegenüber Fremden habe sich "Columbo" sehr zurückgehalten. Eingefangen haben könnte man ihn daher nicht. Die verkehrsreiche Umgehungsstraße habe Schröder abgesucht und bei der Entsorgungswirtschaft nachgefragt - von "Columbo" fehlt bis heute jede Spur.

Tiere kehren mit schweren Verletzungen zurück

In dem Wernigeröder Ortsteil häufen sich Fälle dieser Art. Nicht nur, dass Katzen einfach verschwinden: Immer wieder entdecken die Reddeberaner misshandelte Tiere. "Bis auf eine sind alle unsere Katzen schwerverletzt ins Haus zurückgekehrt", sagt Karla Neumann*. Sie und ihr Mann haben in den letzten Jahren viele Samtpfoten versorgt. Karla Neumann berichtet von offenen Rücken und eingeschlagenen Zähnen. Ein Tier musste wegen eines gebrochenen Oberkiefers eingeschläfert werden. "Das sind keine Verletzungen, die sich die Tiere bei Revierkämpfen zuziehen", bestätigt Klaus Schröder. "So weit gehen die Kater beim Kabbeln nicht."

Bei Misshandlungen hört das Leid der Katzen in Reddeber nicht auf. "Einmal lag bei uns ein Klumpen Fleisch im Garten", sagt Karla Neumann. Jemand müsse ihn über die Hecke geworfen haben. Karla Neumann ist davon überzeugt, dass es sich um einen vergifteten Köder gehandelt hat.

Sie bedauert, den Klumpen damals im Müll entsorgt zu haben, anstatt ihn untersuchen zu lassen. Klaus Schröder erinnert sich an verendete Katzen, die Schaum vor dem Mund hatten und denen Blut an Nase und Schnauze klebte. Die Neumanns haben eine Katze zum Tierarzt gebracht, der eine Vergiftung diagnostizierte. "Die schwarz-weißen Katzen verschwinden, die roten und getigerten werden verletzt oder vergiftet", so beschreibt Klaus Schröder seine Beobachtungen.

Tote Katze auf der Straße wurde vermutlich vergiftet

"Hier muss ein Katzenhasser unterwegs sein", sagt Sigrid Altmann*. Sie selbst hält zwar keine Katzen, sondern einen Hund. Allerdings kamen die Samtpfoten oft auf einen Abstecher bei ihr vorbei. Auf der Straße habe sie eine tote Katze entdeckt, die weder Verletzungen noch Kampfspuren aufwies. Dass auch dieses Tier vergiftet worden sei, darin sind sich Sigrid Altmann und Klaus Schröder einig.

Der Tierfreund hat nun Anzeige bei der Wernigeröder Polizei erstattet. Jutta Horenburg hat dort den Fall übernommen. Spuren zu möglichen Tätern hat die Polizistin allerdings noch nicht. "Herr Schröder selbst konnte keine Hinweise geben. Wir sind jetzt auf Informationen aus der Bevölkerung angewiesen", erklärt sie. Neben der Anzeige von Klaus Schröder liege der Polizei noch eine weitere Anzeige aus Reddeber über eine verschwundene Katze vor. "Fast niemand hier zeigt es an, wenn ein Tier verschwindet. Es besteht kaum Hoffnung, die Katze wiederzufinden", vermutet Klaus Schröder.

Gegen das Gesetz verstoßen haben der oder die Täter in jedem Fall. "Der Straftatbestand heißt Sachbeschädigung, denn Tiere sind Sachen gleichgestellt", erklärt Jutta Horenburg. Zudem liege ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vor, denn Tiere dürften nicht ohne vernünftigen Grund und dann auch nur von einem eingeschränkten Personenkreis, etwa Jägern, getötet werden.

Tierquälern drohen laut Gesetz bis zu drei Jahren Haft

Wer dennoch Tiere tötet oder ihnen Leid zufügt, muss mit drei Jahren Haft rechnen - so sieht es das Tierschutzgesetz vor.

Die Bewohner von Reddeber hoffen nun, dass sich Nachbarn, die möglicherweise den Tierquäler bei seinem Werk beobachtet haben, bei der Polizei in Wernigerode melden.

*Die Familien von Klaus Schröder, Sigrid Altmann und Karla Neumann leben in Angst um die Vierbeiner in Reddeber. Sie vermuten, dass der Katzenhasser im Ort leben könnte. Deshalb möchten sie anonym bleiben. Der Volksstimme liegen ihre Namen vor.

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