Wernigerode l Die zwölf Helferinnen in den 16 Wernigeröder Kindertagesstätten verdienen seit 1. Januar einen Euro mehr pro Stunde. Allerdings werden sie seitdem nicht mehr vier Stunden, sondern nur noch zwei Stunden pro Tag beschäftigt - und haben somit am Monatsende unter dem Strich deutlich weniger Geld verdient.

Die Reduzierung ihrer Arbeitszeit kompensiert die Stadtverwaltung mit dem Einsatz von Bundesfreiwilligendienstleistenden in den Einrichtungen. Elf sogenannte Bufdis helfen unter anderem bei der Vorbereitung des Frühstücks mit. Wird einer von ihnen krank, springt eine der Helferinnen ein und darf entsprechend mehr Stunden leisten.

Da die Frauen zusätzlich zur Vorbereitung der Mahlzeiten in den Krippen und Kindergärten einige Reinigungsleistungen übernehmen, gilt für sie ein Mindestlohn von 7,56 Euro pro Stunde. Noch bis zum 31. Dezember hatten sie im Auftrag einer Leipziger Zeitarbeitsfirma 6,50 Euro brutto erhalten.

Ermöglicht hat die Stundenlohnsteigerung eine Neuausschreibung, die die Stadtverwaltung im Herbst 2013 veranlasst hatte. Da die Hauswirtschaftsleistungen seit 1. Januar mit Reinigungstätigkeiten kombiniert werden, gilt der höhere Mindestlohn des Reinigungsgewerbes.

Der Anbieterwechsel war zuvor inbesondere von der Linke-Fraktion im Stadtrat forciert worden, nachdem bekannt geworden war, unter welchen Bedingungen die Frauen bei der Leipziger Servicegruppe beschäftigt worden sind. So hatten sie eine Probezeit von einem halben Jahr absolvieren müssen. In dieser Zeit durften sie keinen Urlaub nehmen, berichtete eine Betroffene. Auch Krankengeld sei häufig nicht oder nur nach mehrmaligem Drängen und Nachfragen ausgezahlt worden. Ebenso waren die Kosten für Impfungen gegen Kinderkrankheiten, die in den Einrichtungen grassieren, nicht übernommen worden.

Kritik erntete auch die Wernigeröder Stadtverwaltung, die mit der Ausschreibung der Hauswirtschaftsleistungen 2012 der Lohndrückerei Tür und Tor geöffnet hatte. Damals habe man sich für den wirtschaftlichsten Anbieter entscheiden müssen, hieß es.

"Für die Stadt ist das Wichtigste, dass die Essensausgabe abgesichert ist", sagte Hauptamtsleiter Rüdiger Dorff. "Sind die Frauen in der Wernigeröder Verwaltung angestellt und eine von ihnen wird krank, müssen wir für Ersatz sorgen. Sind die Frauen aber über eine Fremdfirma beschäftigt, die einen großen Stamm an Leiharbeitern hat, wird automatisch für Ersatz gesorgt. Keine unserer Erzieherinnen muss einspringen."

Sei 1. Januar sind die Helferinnen nun bei einer großen Staßfurter Servicefirma beschäftigt. "Die Frauen erledigen dieselbe Arbeit wie vorher und übernehmen zusätzlich einige Reinigungsleistungen in der Küche", sagte Sozialamtsleiterin Petra Fietz gegenüber der Volksstimme. "Alle, die wollten, sind übernommen worden", betont Fietz.

Die Zeitarbeitsfirma in Staßfurt war für weitere Nachfragen der Harzer Volksstimme nicht zu erreichen.