Über 9000 Menschen von Aschersleben bis Braunschweig nutzen die "Harzer Blitzergruppe", um sich über Polizeikontrollen, Staus und Unfälle zu informieren. Der Derenburger Denny Behrendt hat die Gruppe ins Leben gerufen - und damit eine Erfolgsgeschichte geschrieben.

Von Ramona Adelsberger

und Julia Bruns

Wernigerode/Halberstadt l "Ich bin der bestinformierte Verkehrsteilnehmer in Sachsen-Anhalt", ist Denny Behrendt überzeugt. Kein Wunder, leitet der 28-Jährige doch auf Facebook die "Harzer Blitzergruppe". Dort informieren sich über 9000 Mitglieder regelmäßig über Verkehrskontrollen, Staus und Unfälle auf den Straßen von Aschersleben bis Braunschweig. Damit ist die Gruppe die größte Verkehrsgemeinschaft im Harz. Und sie wächst von Tag zu Tag.

Der Derenburger verbringt viel Zeit in seinem Auto, einem "reparaturintensiven Scirocco", wie er Volksstimme gegenüber verrät. "Ich arbeite in Magdeburg bei einer Landesbehörde und pendele dementspreche jeden Tag." Vor knapp drei Jahren hatte Denny Behrendt die zündende Idee, eine Facebook-Seite ins Leben zu rufen, auf der sich die Menschen aus dem Harz gegenseitig über Verkehrsthemen austauschen können.

Kaum war die Gruppe gegründet, ging es ganz schnell. Zunächst teilte er die Seite mit seinen Freunden. Sie empfahlen sie wiederum ihren Freunden - und so weiter und so fort. Das Schneeballsystem ließ die Nutzerzahlen innerhalb kürzester Zeit in die Höhe schießen. Aus anfangs 100 Mitgliedern sind mittlerweile über 9000 geworden.

Hat die Gruppe ein Erfolgsgeheimnis? "Verkehr ist ein Thema, das viele interessiert", weiß er. "Und so eine Gemeinschaft lebt vor allem von ihren Mitgliedern, sonst ist sie schnell unattraktiv. Wenn alle fleißig Meldungen posten, haben viele etwas davon."

"Im Harz wurde ich in den letzten Jahren nicht geblitzt."

Die "Harzer Blitzerseite" bietet mehr, als ihr Name vermuten lässt. Neben der Warnung vor Verkehrskontrollen, wird auf Umleitungen, Unfälle, Gefahren wie Glatteis und Nebel hingewiesen. Die Bandbreite umfasst alles, was einen reibungslosen Verkehrsfluss behindert.

Ein genauerer Blick auf die Seite zeigt, dass auch Einträge zur Verkehrserziehung auf Interesse stoßen. So kritisieren Mitglieder leichtsinniges Verhalten mit Fotos von Fahrern ohne Licht oder von Sommerreifen im Winter. Auch über Tankstellen mit außergewöhnlich hohen oder günstigen Kraftstoffpreisen tauschen sich die Nutzer aus. Die Flut der Mitteilungen, die die Mitglieder weitergeben, passiert stets den prüfenden Blick von Denny Behrendt als Administrator.

"Es ist schwierig, die Seite sauber zu halten", weiß er aus Erfahrung. Manche Nutzer musste er in der Vergangenheit aus der Gruppe verbannen. "Sie haben die Seite für Werbung genutzt." Themenfremde Meldungen verstoßen ihm zufolge gegen die Gruppenregeln.

Weil er jeden Eintrag gewissenhaft kontrolliert, ist er bestens über etwaige Verkehrskontrollen informiert. "Im Harz wurde ich in den letzten Jahren nicht geblitzt." Bisher habe er allerdings ohnehin nicht oft die erlaubte Geschwindigkeitsgrenze überschritten. "Ich wurde in meinem Leben erst drei Mal geblitzt."

Durch seine Rolle als Administrator hat er eine gewisse Bekanntheit im Harz erreicht. "Ich werde manchmal angesprochen, wenn ich in Halberstadt unterwegs bin", sagt er. Ob er seine Lokalprominenz gut oder schlecht finden soll - das wisse er nicht so recht. Spaß bereite ihm die Pflege der Blitzergruppe aber allemal.

Mit Aktionen und Gewinnspielen hält er seine Nutzer bei Laune. Er möchte sie so anregen, bei ihrer Mitarbeit nicht nachzulassen, sonst sei die Seite ganz schnell ohne Leben. An den Wochenenden sei weniger Betrieb auf der Blitzerseite. Dann gibt es die Möglichkeit, andere, themenfremde Informationen auf die Facebook-Seite zu platzieren. So können die Mitglieder Reifen, Autoteile und auch ganze Autos anbieten oder suchen. Beliebt sind auch Aufkleber mit dem Gruppen-Logo. "Den Sticker hatte ich auf mein Auto geklebt, als die Gruppe die 7000-Mitglieder-Marke geknackt hat", erinnert sich der Derenburger. Sofort sei er nach den Aufklebern gefragt worden, mittlerweile ist er Kult. "Für Frauen gibt es die rosa Variante, für Herren die weiße." Wenn er die 10 000-Mitglieder-Marke erreicht hat, möchte Denny Behrendt eine Party feiern. "Wie ich das genau organisiere, darüber denke ich noch nach." Allzu viel Zeit dürfte er sich angesichts der steigenden Beliebtheit nicht lassen können.

Hauptaufgabe ist für den 28-Jährigen jedoch die Warnung vor Blitzern und Polizeikontrollen. Allerdings betont er ausdrücklich, dass er mit dieser Seite niemanden animieren wolle, Regeln und Gesetze zu übertreten.

"Vielleicht wünschen sich die Beamten, dass ich ihnen ins Netz gehe."

Bei der Polizei sieht man die Aktivitäten der "Harzer Blitzergruppe" gelassen. So teilt die Pressestelle des Innenministeriums mit, dass "keine Bedenken gegen eine Gruppe, die auf schnellem Wege zumeist via Smartphone Informationen zum aktuellen Verkehrsgeschehen austauscht" bestehen würden. Allerdings ist die Polizei der Ansicht, dass ein ohnehin regelkonformer Fahrer nichts zu befürchten habe und daher kein Interesse an Blitzer-Meldungen haben dürfte.

"Ein regelkonformer Fahrer hat jedoch auch ein Interesse an Staus und Unfallmeldungen", erwidert Denny Behrendt. Bisher habe er keine negative Resonanz seitens der Beamten erfahren. "Eine junge Frau teilte mir vor Kurzem mit, dass sie bei einer Verkehrskontrolle von den Polizisten auf den Blitzergruppe-Aufkleber angesprochen wurde. Die Beamten hätten darüber geschmunzelt", berichtet er und fügt hinzu: "Vielleicht wünschen sie sich, dass ich ihnen irgendwann einmal ins Netz gehe."

Mehr Informationen unter www.facebook.com/groups/harzer.blitzergruppe