Auf ihrer Jahrestagung haben die Harzer Naturschützer einen Forderungskatalog verabschiedet. Darin lehnen sie Schneekanonen für Schierke, einen Baumwipfelpfad im Bodetal ebenso ab wie den Massentourismus in Schutzgebieten.

Wernigerode l Naturschützer sind Frühaufsteher. Zu ihrer Jahrestagung am Sonnabend wurden die rund 100 Mitglieder und Gäste um 9 Uhr im Hörsaal der Hochschule Harz in Wernigerode von Uwe Wegener begrüßt.

Im Mittelpunkt der Berichterstattung der vier großen Naturschutz- und Umweltverbände im Harzkreis standen Aktivitäten des vergangenen Jahres, Vorhaben 2014 und vor allem Kritik. Diese war Bestandteil einer zehn Punkte umfassenden Resolution, gerichtet an Behörden und Politiker im Kreis und Land, und im wesentlichen nicht neu. "Um so mehr sehen wir endlich Handlungsbedarf", betonte der Veranstaltungsleiter Uwe Wegener.

Der Halberstädter bedankte sich mehrfach für die in Bild und Wort "eindrucksvollen Darstellungen" anstehender Probleme. Beispielsweise machte Werner Wandelt auf den "Irrsinn" aufmerksam, im Bodetal auf einem "sensiblen Felsplateau" einen Baumwipfelpfad zu errichten. 15 der geplanten 36, bis zu 20 Meter hohen Stützpfeiler würden über die Baumkronen auf einem Kamm nahe der Bergstation der Roßtrappen-Seilbahn ragen, "damit der Tourist einen Blick über das reizvolle Bodetal werfen kann", sagte Wandelt und fügte zynisch hinzu: "Der Boden eines Berggipfels reicht scheinbar nicht mehr."

Solch ein Baumwipfelpfad sei sinnvoll in Gegenden, wo es keine Aussichtspunkte gibt. Die Naturschützer lehnen das Projekt bei Thale, das "nur wirtschaftliche Interessen verfolgt", ab. Sie sprechen sich auch gegen touristische Großprojekte mit maximalem Flächenverbrauch wie am Wurmberg bei Braunlage aus.

Mit Fotos, die "weh tun", hieß es, erläuterte Friedhart Knolle die "dauerhafte Umwandlung von Wald in Nichtwald". Tausende Bäume seien für Großparkplatz, Skipisten und Speicherteich geopfert worden. Aus diesem Grund, so Knolles Nachfolger als Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung des Nationalparks Harz, Tim Schwarzenberg, sollten die Pläne für Schierke überarbeitet werden. "Wir sind grundsätzlich gegen den Einsatz von Schneekanonen und dem Bau künstlicher Teiche für die Betreibung von Beschneiungsanlagen", waren sich die Tagungsgäste einig.

Ein Jahr ohne Waldbrand am Brocken. Das, so Ulrich Kasten, müsse erklärtes Ziel der Harzer Schmalspurbahnen GmbH sein. Deshalb fordern die Naturschützer von der HSB den Einsatz von Dieselloks zum Harzgipfel bei erhöhter Waldbrandgefahr. Und sie gehen noch weiter: Um die Brockenstraße möglichst vom Fahrzeugverkehr zu befreien, sollte aus ihrer Sicht die Belieferung von Hotel und Gaststätten mit Lebensmitteln auf der Schiene, sprich mit der Brockenbahn, erfolgen. Dass dafür alle Verantwortlichen an einen Tisch zusammenkommen sollten, "ist längst überfällig".

Mit großer Sorge werde die Zunahme von Massenveranstaltungen in Schutzgebieten registriert. Radrennen, wie das am Brocken, motiviere "Unverbesserliche, mit ihren Mountainbikes über jede Klippen zu fahren", sagte Kasten.

Zu den Forderungen der Verbände gehört nach wie vor, dass Alternativen bei der Planung des Hochwasserschutzes im Selketal berücksichtigt werden. Bisher werde am Bau von zwei Hochwasserrückhaltebecken in dem Naturschutzgebiet festgehalten. "Mit Staudämmen würden man die letzten schönen Täler im Harz begraben", mahnte Ulrich Kasten.

Bei aller Kritik gab es auf der Jahrestagung auch Lob. Gunter Karste dankte allen Mitgliedern und Ehrenamtlichen, die sich an den Arbeitseinsätzen zur Pflege der Natur beteiligt hatten. Auch dankte er Landrat Martin Skiebe für die "kons-truktive Zusammenarbeit" mit der Kreisverwaltung.

   

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