Wernigerode l Wie angewurzelt verharrt "Desh". Die Augen des Schäferhundes folgen Frank Tschepella, alles andere interessiert ihn nicht. "Desh" wartet geduldig auf das Kommando seines Herrchens, erst dann stürmt er los. Beide trainieren regelmäßig auf dem Übungsplatz des Schäferhundvereins Wernigerode auf der Charlottenlust, versteckt zwischen den Bäumen.

Frank Tschepella ist Vorsitzender des "Vereins für Deutsche Schäferhunde, Ortsgruppe Wernigerode", wie sich die Gemeinschaft der Hundefreunde mit vollem Namen nennt. Seit Jahrzehnten schon können Hundebesitzer dort Prüfungen ablegen. Anfangs waren nur reinrassige Schäferhunde zugelassen, mittlerweile ist der Verein für andere Hunde offen.

Im Vordergrund der Arbeit steht die Möglichkeit, die Begleithundeprüfung abzulegen. Dabei müssen die Hunde verschiedene Aufgaben erledigen, zum Beispiel ohne Leine bei Fuß gehen, die Kommandos "Sitz" und "Platz" umsetzen und zehn bis 15 Minuten an Ort und Stelle allein verweilen. "Alles Dinge, die ein gut erzogener Hund beherrschen sollte", sagt Tschepella. Einige Hundebesitzer möchten mit ihren Tieren jedoch mehr erreichen. "Für viele unserer Mitglieder ist die Schutzhundprüfung das Ziel", sagt Peter Kopp, der stellvertretende Vereinsvorsitzende.

Die Vierbeiner leisten dabei noch etwas mehr als bei der Begleithundeprüfung. "Die Tiere müssen zum Beispiel auf 350 bis 650 Schritt einer Fährte folgen sowie ein Holzstück zurückbringen und dabei Hürden und eine Schrägwand überwinden", sagt Frank Tschepella.

Solche Aufgaben können nicht alle Hunderassen bewältigen. Einigen fehle die körperlichen Voraussetzungen, anderen das passende Wesen. "Die Hunde müssen einen gewissen Spieltrieb mitbringen", sagt Frank Tschepella. Für erledigte Aufgaben werden sie mit einem Spielzeug belohnt. Früher wurden die Schäferhunde anders ausgebildet - abgerichtet, wie man damals sagte. Die Tiere lernten, dass sie mit bestimmten Handlungsweisen einer Bestrafung aus dem Weg gehen konnten. "Zuckerbrot und Peitsche", nennt Tschepella das Prinzip dieses "Vermeidungslernens". Heute bestimmen nur noch Zuckerbrot, beziehungsweise Hundespielzeuge, die Arbeit der Vereinsmitglieder.

Bei den Hunderassen ist der Schäferhundverein mittlerweile offen. "Rottweiler, Dobermann, Belgischer Schäferhund und andere Arbeitshunde können die Begleit- und Schutzhundprüfungen ablegen", sagt Tschepella. Reinrassig müssen die Tiere nicht sein, Stammbäume gelten bei den Wernigerödern nicht als herausragendes Merkmal.

Für kleinere Hunde würde Tschepella eine Prüfung nicht empfehlen. Wegen ihrer körperlichen Voraussetzungen meistern sie die Anforderungen oft nicht, andere neigen zu Aggressivität. "Eine Anlaufstelle für Problemhunde sind wir nicht", sagt der Vereinsvorsitzende. Gemeint sind Tiere, die zu Kampfhunden abgerichtet wurden oder deren Besitzer schwere Erziehungsfehler begangen haben.

Derzeit sorgen sich die Hundefreunde um den Nachwuchs, sagt Peter Kopp. Das Durchschnittsalter der Mitglieder betrage 55 Jahre, so der Vize-Chef. Etwa 15 Anhänger zählt die Gemeinschaft. Kopp und Tschepella betonen, dass das Vereinsleben nicht bei Hundesport und Eignungsprüfungen aufhöre. "Wir grillen auch gemeinsam, feiern Weihnachten und organisieren Wandertage", sagt der Vorsitzende.

Schäferhund "Desh" muss derweil eine Pause einlegen. "Nach zehn bis 15 Minuten müssen sich die Tiere erholen", sagt Frank Tschepella. Obwohl der Hund sichtlich Freude an den Übungen und vor allem an der Belohnung hat, sei das Training doch sehr anstrengend. Immerhin hat sich die Mühe für Tier und Besitzer schon gelohnt, "Desh" hat an Landesmeisterschaften teilgenommen. Eine Möglichkeit, die allen Hunden nach erfolgreich bestandenen Prüfungen grundsätzlich offen steht.

Besucher und Interessierte sind herzlich zu den Übungszeiten eingeladen: Dienstag, 18 Uhr, und Sonnabend, 14Uhr, Hundetrainingsgelände auf der Charlottenlust in Wernigerode.

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