Wernigerode l Wernigerodes Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) dürfte wohl schon geahnt haben, dass er während der Prunksitzung des Carnevalclubs "Wernigeröder Auerhähne" (CCW) am Sonnabend sein "Fett" wegbekommen würde. So erschien er auch in diesem Jahr nicht.

Das Programm wies viel Lokalkolorit bei den Büttenreden auf und sorgte im vollbesetzten Saal des Harzer Kultur- und Kongresshotels in Wernigerode für zwei Stunden Frohsinn und viele Lacher. Dazu haben auch die 45 Mitglieder der Aachener Karnevalsgesellschaft "Rübezahl - Silesia" beigetragen, die vollzählig nach Wernigerode gereist waren und damit die seit 15 Jahren bestehende Vereinsfreundschaft stärkten.

"Alle Mitglieder treten auf", kündigte Zeremonienmeister Dieter Schopp an. Kurz nach dem Einzug von CCW-Präsident Lars Hoppe, dem Vereinsvorsitzenden Marco Steinhauer, dem Elferrat und den Gästen "kochte" die Stimmung im Saal. Das überwiegend buntkostümierte Publikum ließ sich von der guten Stimmung der Akteure anstecken, sprang von den Sitzen, klatschte Beifall und rief mehrfach nach Zugaben.

Zwei Büttenredner griffen die große Politik sowie lokale Themen auf. Zunächst stieg Angela Gorr in die Bütt, um in ihrem Vortrag ganz auf das Motto der Veranstaltung "Mit Smartphone, Youtube, Apps Co." einzugehen. Die CDU-Landtagsabgeordnete reimte auch Schierker Themen. "Eine Eisbahn macht auch nicht satt, wenn der Nachbar schon eine hat", spielte sie auf den geplanten Neubau des Schierker Eisstadions an.

"Lieber Gott, halte Sorge und Elend fern von uns, wir haben doch schon Schierke. Amen."

Büttenredner Mario Dönecke

Auf Angela Gorr folgte Multitalent Mario Dönecke. Das Vorstandsmitglied der Sebastiansschützen ließ kein gutes Haar an der derzeitigen Bundesregierung. "Andere Länder brauchen ein Königshaus, um die Boulevardpresse zu füllen. Bei uns reichen Friedrich, Gabriel und Oppermann", so Dönecke. Und: "Wenn man im Wort `Regierung` die Buchstaben vertauscht, erhält man die Worte `Genug Irre`."

Er karikierte auch die Beamten der Kreisverwaltung - und griff prompt den Vorschlag des Goslarer Oberbürgermeisters für einen Harz-Großkreis auf. Mario Dönecke forderte stattdessen gleich eine "Unabhängige Bergrepublik Harz" mit Regierungssitz und Hauptstadt Wernigerode. Das Parlament könnte in der Goslarer Kaiserpfalz tagen.

Schließlich kritisierte er heftig den Oberbürgermeister. Bürgersprechstunden seien neumodisches Zeug, legte er Gaffert in den Mund. "Wer den OB sehen will, muss ins Amtsblatt schauen." Die Einladung zur Büttensitzung habe er wohl "verlegen lassen", meinte der Redner, um hinzuzufügen: "Möglicherweise fehlt ihm auch die Freigabe von obersten Kulturschaffenden der Stadt. Der CCW sei, "ohne höheren Segen" noch lange kein Bestandteil der Wernigeröder Kultur. Schließlich bat Dönecke zur Andacht: "Lieber Gott, halte Sorge und Elend fern von uns, wir haben doch schon Schierke! Amen."

Mit ihren Leistungen beeindruckten die verschiedenen Tanzgruppen, Sänger, Solisten und auch die Akteure hinter der Bühne. Sie sorgten für einen reibungslosen Ablauf und schafften es, die Programmpunkte der Gäste und Gastgeber nahtlos zu verbinden.

Neben der Karnevalsgesellschaft "Rübezahl - Silesia", die das Programm mitgestaltete, waren zum Auffrischen der Vereinsfreundschaften auch Abordnungen von den Düsseldorfer Wehrhähnen, von Karnevalsvereinen aus Blankenburg und Staßfurt sowie vom Sachsen-Anhaltinischen Prinzenclub zum Mitfeiern erschienen.

   

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