Für Sanierungen in unmittelbaren Innenstadtbereichen gelten hohe Anforderungen. Das gilt auch für Ilsenburg. Dass im Zuge der Neugestaltung des alten Postgebäudes durch einen privaten Investor, die Stadt vom Denkmalschutz des Landkreises anscheinend übergangen wurde, führt zu handfesten Irritationen.

Ilsenburg. "Wir sind mit der Fassadengestaltung auch nicht zufrieden", räumte Bauamtsleiterin Ute Schwager-Loewe bereits auf der jüngsten Ratssitzung unumwunden ein. "Aber wir wurden ja nicht einbezogen." Eine Aussage, die auch die Abgeordneten mit einer Mischung aus Verblüffung und Verärgerung zur Kenntnis nahmen.

Was sie damit meinte, war weniger der Holzbeschlag an sich, als vielmehr dessen Anstrich in "Hellelfenbein und Ocker". Ute Schwager-Loewe: "Ich hätte Grau genommen oder Kaminrot. Gerade an dieser exponierten Stelle an der Hochofenstraße hätten wir uns das anders gewünscht." Aber die Absprachen seien direkt zwischen der Unteren Denkmalschutzbehörde und dem Investor gelaufen. Daraufhin habe sich die Bauamtsleiterin in der Kreisbehörde in Quedlinburg sogar schriftlich beschwert. Immerhin sei es letztlich die Stadt, die die rechtliche Genehmigung zu erteilen habe, weil das Gebäude im Sanierungsgelände Ilsenburgs liegt. Schwager-Loewe: "Zwar ist die Farbe nachträglich irgendwann einmal wieder korrigierbar. Aber man hätte sich doch die Mühe machen müssen, vorher mehrere Farbkonzepte zu entwickeln." Genau das scheint längst Makulatur zu sein. Die Fassade ist im oberen Bereich anders gestrichen.

"Der Streit ist mir egal, Hauptsache das Projekt wird fertig"

Ilsenburgs privater Investor Jens Manugold quittiert diesen Dissenz zweier Verwaltungen untereinander so: "Ich hätte mich hinsichtlich der Farbgestaltung natürlich danach richten müssen. Aber im Grunde ist es mir auch egal. Hauptsache das Projekt wird fertig!"

Der frühe und lang anhaltende Winter habe die Arbeiten an der Außenfassade erheblich verzögert. Dennoch will er spätestens am 1. Mai die Sanierung an der alten Post abgeschlossen haben. Das hänge auch weiterhin vom Wetter ab. Bis dahin dürften bis zu 200 000 Euro in das Haus geflossen sein. Vom ursprünglich geplanten Ausbau des Dachgeschosses mit weiteren Wohnungen musste er sich überraschend verabschieden. Vor wenigen Monaten eine Hiobsbotschaft, weil plötzlich statische Probleme auftraten.

Ursprünglich sollten Gauben auf das neue Dach. Aber letztlich stellte sich heraus, dass einst ganze Wände weggerissen wurden. Das Festhalten am ursprünglichen Projekt hätte einen riesigen Aufwand erfordert und die Kosten vervielfacht. So nahm Manugold davon Abstand. Das Dachgeschoss bleibt deswegen leer: "Wenn ich das vorher gewusst hätte, hätte ich wahrscheinlich sehr viel weniger oder gar nichts an dem Haus gemacht. Gekauft hätte ich es aber trotzdem."

Manugold hat wegen der beschriebenen Konstellation das Dach zumindest ausgebessert und abgedichtet. Auf die komplette Erneuerung musste er verzichten. Geblieben sind also nur noch zwei größere Wohnungen mit jeweils über 100 Quadratmetern in der mittleren Etage. Beide seien längst vergeben. Im Erdgeschoss und Hof bleibe weiter die Post. Sobald die Arbeiten am "Einzeldenkmal" abgeschlossen sind, wechselt Manugold wieder die Baustelle: Dann geht es am "Braunen Hirsch" weiter.

 

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