Wernigerode (im) l Bei der jüngsten GenerationenHochschule ist der Wernigeröder Audimax sinnbildlich aus allen Nähten geplatzt.

Bereits im Vorfeld musste die Anmeldung geschlossen werden, da sich so viele Interessierte angekündigt hatten, berichtete Hochschulsprecher Andreas Schneider. Dank "Notbestuhlung" fand jedoch trotzdem jeder Gast Platz bei der zweiten Vorlesung in diesem Jahr. Über 270 Gäste waren gekommen, um dem Historiker Dr. Uwe Lagatz zu lauschen. Er referierte zum Thema: "Der Brocken. Die Entdeckung und Eroberung eines Berges".

Der studierte Lehrer widmete sich der bewegten Geschichte des symbolträchtigen Harzer Wahrzeichens. Zunächst erklärte er, warum der höchste Gipfel Norddeutschlands ein Berg der Superlative ist und worauf sich sein mythischer Ruf begründet. "Einst war der Brocken ein sagenumwobener Berg. Bis ins 18. Jahrhundert glaubten viele Menschen an die Walpurgisgeschichte", so der Historiker.

Lagatz reiste mit dem Publikum in eine Zeit, aus der die ersten Darstellungen des Brockens stammen. Er überraschte dabei mit der ältesten bekannten Harz-Karte aus dem Jahr 1550, die erst vor einigen Monaten entdeckt wurde und gegenwärtig in einem Archiv der Stadt Dresden liegt. "Als die Welt der Menschen noch enge Grenzen hatte und noch niemand vom Internet zu träumen wagte, hielt so mancher hier den Brocken für den höchsten Berg der Welt", berichtete der Dozent.

Heute ist der Blocksberg mit 1,2 bis 1,3 Millionen Besuchern pro Jahr auf jeden Fall eines der beliebtesten Reiseziele in Deutschland. "Der Tourismus spielt nicht nur in der Gegenwart eine große Rolle. Auch weit vor dem Ersten Weltkrieg war der Brocken der wichtigste Anlaufpunkt für Harzreisende", so Lagatz weiter. Die Entscheidung über den Bau eines Gasthauses unmittelbar auf dem Gipfel wurde 1798 getroffen.

Das Brockenwirtshaus wurde zwei Jahre später eröffnet und legte einen weiteren Grundstein auf dem Weg zur Top-Destination. Die Eheleute Gerlach waren die ersten Wirte und boten Speisen, Getränke und Schlafplätze an. Im Jahr 1859 brannte das Brockenhaus völlig ab und wurde in den kommenden zwei Jahren aufgrund der hohen Besuchernachfrage neu und größer wieder aufgebaut. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts gewann der Harz immer mehr an Bedeutung als Reiseziel. Schierke, der einstige Forst- und Hüttenort am Fuß des Berges, entwickelte sich nach dem Bau der ersten Hotels zur nobelsten Erholungsadresse im gesamten Harz.

Aber auch danach kehrte kaum Ruhe auf und um den stürmischen Gipfel ein. Zum Abschluss der Vorlesung gab Uwe Lagatz einen kurzen Einblick in die bewegte Historie des Blocksberges von der Zerstörung und Besetzung durch die Alliierten am Ende des Zweiten Weltkrieges über seinen Ausbau zur Festung des Kalten Krieges bis hin zur legendären Öffnung im Dezember 1989.

Die nächste Vorlesung der GenerationenHochschule findet laut Schneider am Dienstag, 11. März, erneut von 17 bis 19 Uhr, im Wernigeröder AudiMax statt. Dann ist Prof. Dr. Ralf Bohrhardt von der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit der Hochschule Coburg zu Gast. Er gehört zu den führenden Experten für Jungen- und Männerarbeit und spricht zum hochaktuellen Thema "Jungen auf der Suche nach Männlichkeit. Was Jungen brauchen und immer weniger bekommen". Die Teilnahme an der Vortragsreihe ist kostenfrei.

Anmeldung bitte unter www.generationenhochschule.de