Raser, Parksünder und verunsicherte Grundschüler - die Verkehrsproblematik im Wernigeröder Wohngebiet Stadtfeld sorgt weiter für Diskussionen. Im Sozialausschuss ist gefordert worden, die Errichtung eines Fußgängerüberwegs erneut zu prüfen.

Wernigerode l "Jeden Morgen haben wir Angst, wenn wir aus dem Fenster schauen." - Sabine Wetzel arbeitet als Lehrerin in der Stadtfeld-Grundschule in Wernigerode. Seit Langem kämpfen sie und ihre Kollegen für einen Fußgängerüberweg vor der Schule und eine generelle Verkehrsberuhigung im Stadtfeld. Bisher stießen sie damit bei der Stadtverwaltung auf taube Ohren (wir berichteten).Der Weg zur Grundschule birgt viele Gefahren: Kreuzungen sind unübersichtlich und für die Kinder schlecht einsehbar. Autos fahren oftmals viel zu schnell.

Das Resultat: Viele Eltern lassen ihre Sprösslinge ungern zu Fuß zur Schule gehen und bringen sie mit dem Auto bis vor die Tür - was vor allem zu Schulbeginn zu einem Verkehrschaos in der Max-Otto-Straße führt.

In der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses kochte das Thema noch einmal hoch. "Vor anderthalb Jahren haben wir mit Mitarbeitern des Ordnungsamtes zusammengesessen", sagte Sabine Wetzel, die als Grünen-Stadträtin den Ausschuss leitet. "Wir sollen die Eltern zu rücksichtsvollerem Verhalten erziehen - hieß es damals. Das reicht aber nicht. Wir können nicht warten, bis ein Kind totgefahren wird." Vor allen anderen Grundschulen in Wernigerode gebe es Fußgängerüberwege - nur im Stadtfeld nicht. Die Kinder seien zudem nicht die einzigen, die gefährdet sind. Vielen alten Leuten gehe es genauso. "Ich frage mich, warum die Verwaltung diesem Problem nicht begegnet", so Sabine Wetzel.

Andreas Gutjahr vom Ordnungsamt erläuterte die Ergebnisse der Verkehrszählung. "Für einen Zebrastreifen gibt es Richtlinien." Vor der Schule würden zu wenig Autos die Straße passieren. An der Kreuzung Max-Otto-/Theodor-Fontane-Straße werden die Pkw-Richtzahlen zwar erreicht, dort seien aber die räumlichen Voraussetzungen ungünstig.

"Wir wollen eine Lösung finden. Müssen wir wirklich jeden rechtlichen Punkt abarbeiten?"

Julia Brandt, SPD-Stadträtin

"Man muss die Situation im Ganzen betrachten", sagte Julia Brandt (SPD). "Wenn es an der Kreuzung ungünstig ist, warum setzt man den Zebrastreifen nicht dort hin, wo es möglich ist - zum Beispiel direkt vor der Schule?" Die beiden Standorte würden zu weit auseinanderliegen, so Gutjahr. "Das ist nur eine Ecke weg", entgegnete die Stadträtin. "Wir wollen alle eine Lösung finden. Müssen wir da wirklich jeden einzelnen rechtlichen Punkt abarbeiten?" Julia Brandt schlug vor, die Verwaltung prüfen zu lassen, ob der Überweg nicht doch vor der Schule in der Max-Otto-Straße eingerichtet werden kann.

Ein Zebrastreifen würde die Verkehrsproblematik nicht lösen, warf Andreas Gutjahr ein. "Wir müssen schauen, wo überall die Kinder die Straßen im Stadtfeld überqueren." Auch die gelben Fuß-Markierungen, die den Mädchen und Jungen den sicheren Schulweg weisen, sollen überprüft werden.

Uwe Friedrich-Albrecht (CDU) war vor anderthalb Jahren als Quartiersmanager bei dem Gespräch mit dem Ordnungsamt dabei. Er könne die Sorgen der Eltern durchaus nachvollziehen. "Deshalb verstehe ich nicht, warum man nicht einfach einen Fußgängerüberweg baut", so Albrecht gegenüber der Volksstimme. Anderswo sei es doch möglich. "Vor der Pestalozzi-Schule ist auch ein Zebrastreifen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass da mehr Autos unterwegs sind."

Auch auf der Facebook-Seite der Harzer Volksstimme sorgte die Verkehrssituation im Stadtfeld für Diskussionen. "Zu meiner Zeit sind wir den längsten Weg zur Schule gelaufen", schrieb Petra Wagner. "Der zunehmende Verkehr macht es für Grundschüler nicht einfach, zu Fuß die Schule zu erreichen." Von Andreas Sauer hieß es: "Kinder sollten selbstständiger erzogen werden und mit den Bussen fahren." Heiko Altnow forderte, "vor jeder Schule und Kindertagesstätte in Deutschland Schritttempo einzuführen und so oft zu blitzen, bis es der letzte kapiert hat".