Jubel im Oberharz, gewisse Enttäuschung in Ströbeck und Osterwieck: So lässt sich die Resonanz auf die Entscheidung des Landes im Wettlauf um Aufnahme auf die Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes zusammenzufassen. Fünf der landesweit acht Vorschläge stammen aus dem Harz, einer bleibt im Rennen.

Halberstadt l Es hat geklappt: Der Gesang der Harzer Buchfinken ist im sachsen-anhaltischen Kultusministerium erhört worden. Zumindest bei den Mitglieder der Jury für die Auswahl des immateriellen Kulturerbes im Land. Sie haben sich dafür ausgesprochen, die jahrhundertealte Harzer Tradition rund um die Buchfinken auf die Nominierungsliste für das immaterielle Unesco-Weltkulturerbe des Bundes zu setzen. Damit gelingt den Finkenliebhabern ein Kunststück, das im ersten Anlauf der Unesco-Suche nur einem weiteren Anwärter aus Sachsen-Anhalt geglückt ist. Auch die Salzwirker-Brüderschaft der Halloren in Halle/Saale wird von den Jurymitgliedern in Runde Nummer zwei geschickt.

Der Sprung über diese erste Hürde ist für die Finkenliebhaber im Oberharz reichlich Grund zum Jubilieren. Der Benneckensteiner Dieter Spormann, der den Arbeitskreis der Harzer Buchfinkengilde leitet, freut sich über den Erfolg. Das tierische Hobby hat der 65-Jährige von Vater, Großvater und Urgroßvater geerbt. Spormann bleibt indes Realist: Bis zum Ziel - der Aufnahme in die Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes - sei der Weg noch weit.

Ins Rennen um einen Platz auf dieser Liste mit typischen regionalen Bräuchen waren landesweit acht Traditionen gegangen. Der Harz beteiligte sich allein mit fünf Vorschlägen: Neben den historischen Hausinschriften in Osterwieck, der Zucht des Harzer Roten Höhenviehs und der hiesigen Schmiedekultur hatten sich auch die Ströbecker mit ihrer 1000-jährigen Schachtradition und eben die Finkenliebhaber beworben. Zudem legten neben den salzsiedenden Halloren aus Halle auch die Mansfeld-Südharzer zwei Bewerbungen vor: Das Questenfest sowie das Pfingstbrauchtum in den Mansfelder Grunddörfern.

Mit der Auswahl auf Landesebene haben es Finkenzüchter und Halloren nun zumindest auf die Bundes-Liste des immateriellen Kulturerbes geschafft. Jedem Bundesland sind dort zwei Plätze reserviert, zwei weitere sind länderübergreifenden Projekten vorbehalten. Experten wählen aus diesen 34 deutschen Traditionen wiederum Bräuche aus, die ins Finalrennen um Aufnahme auf eine der Unesco-Welterbelisten gehen. Ein Prozedere, das wiederholt wird, sodass stets weitere Anwärter nachrücken können.

Auf eine Chance in einem späteren Anlauf setzt daher auch Osterwiecks Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ (Buko). "Wir sehen es sportlich - dabeisein ist alles. Auch wenn wir die Jury diesmal nicht überzeugen konnten - wir bleiben am Ball. Ähnlich die Reaktion aus Ströbeck: "Eine gewisse Enttäuschung will ich nicht verhehlen", sagt Bürgermeister Jens Müller (SPD). Allerdings habe allein die gemeinsame Vorbereitung der Bewerbung das Dorf vorangebracht. "Es war keine vertane Zeit, und unsere Schachtradition lebt auch ohne Unesco-Titel." Zudem richte Ströbeck viele Schach-Wettkämpfe aus, darunter die internationalen deutschen Jugendmeisterschaften.