In der Serie "Neue Fassaden - alte Geschichten" stellt die Harzer Volksstimme historisch interessante Häuser in Wernigerode vor. Mit diesem Thema haben sich auch Heimatforscher wie Dr. Uwe Lagatz und Mitarbeiter der Oskar Kämmer Schule, unterstützt von der KoBa, befasst. Ihre Erkenntnisse fließen in die Beschreibungen mit ein. Der Rundgang führt heute zum Gebäude An der Malzmühle 1a.

Wernigerode. An der Malzmühle 1a befindet sich heute das Gasthaus "Zum Eselskrug". Nach alter Überlieferung war hier früher eine Schmugglerkneipe. Vor dem Westerntor gelegen und damit außerhalb der Wernigeröder Stadtmauer, kreuzten sich dort die Straßen durch und über den Harz.

Regelmäßig kehrten dort Korntreiber aus Veckenstedt mit ihren von Eseln gezogenen Wagen ein. Ebenso Bauern, die Holz oder Papier von Hasserode nach Niedersachsen transportierten. Zurück brachten sie illegal Salz, weil dafür in Preußen eine viel höhere Steuer erhoben wurde als in Hannover.

Das Gebäude direkt neben den Gleisen der Brockenbahn ist bereits seit 1795 nachweisbar. Zwei Jahre später erwarb der ehemalige Hofmeister vom Vorwerk, Johann Friedrich Bollmann, ein Gasthaus mit Garten vor dem Westerntor. 1799 erfolgte der Umbau zu einer Ratsstätte. Aber erst 1811 gelang es dem Wirt nach mehreren vergeblichen Versuchen, von den westfälischen Behörden die Konzession zum Betreiben einer Schank- und Gastwirtschaft zu erhalten. Er nannte sie "Zu den drei Linden".1830 verstarb der Inhaber. Seine Frau führte das Lokal zunächst weiter und verpachtete es dann. Nach ihrem Tod 1836 gelangte die Immobilie bei einer Auktion in den Besitz der Familie Zeisberg. Sie verpachtete das Grundstück an einen Gärtner und vermietete das Haus. 1886 wurde dort eine Käserei eröffnet.

1899 entstand mit der Eröffnung der Harzquerbahn gegenüber der erste Bahnhof Westerntor. Er wurde 1936 wieder abgerissen und an seinen heutigen Standort Unter den Zindeln verlegt.

1938 eröffnete Gastwirt Walter Buchmann wieder ein Lokal mit dem alten Namen. Seither schmückt die Figur "Eselstreiber" den Giebel. Ebenso wie die Daten "anno 1795 und 1938". Ursprünglich gehörten auch die Wappen von Wernigerode und Nöschenrode dazu. Bei allem handelt es sich um Schnitzereien des Wernigeröder Bildhauers Otto Welte.

1949 erfolgte die Wiedereröffnung der kriegsbedingt geschlossenen Gaststätte. Sie wurde 1955 von der staatlichen Handelsorganisation (HO) übernommen. Nach dem Abriss einer angrenzenden Tankstelle konnte 1967 eine Freiterrasse angelegt werden. Bauliche Mängel führten 1974 zur Schließung des Lokals. 1980 begannen vier Jahre währende Sanierungsarbeiten inklusive der Errichtung eines neuen Küchentrakts.

Meike (45) und Reiner Petermann (47) übernahmen den "Eselskrug" 1984 und pachteten ihn 1991 von der damaligen Treuhandanstalt. 1994 konnten sie das Gebäude schließlich erwerben.

   

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