Wieviel müssen die Wernigeröder und die Bewohner der Ortsteile künftig für Bestattungen bezahlen? Mit dieser Frage hat sich der Ordnungsausschuss beschäftigt.

Wernigerode l Die städtischen Friedhöfe arbeiten nicht kostendeckend. Das heißt, es fallen deutlich mehr Kosten an, als über Nutzergebühren eingenommen werden. Im Jahr 2012 wurden 226 380 Euro an Gebühren kassiert und damit nur 52,23 Prozent der Kosten gedeckt. Den Rest musste die Wernigeröder Stadtverwaltung bezahlen.

Die Kommunalaufsicht verlangt nun eine hundertprozentige Kostendeckung. Für die Wernigeröder und die Bewohner der Ortsteile bedeutet das eine deutliche Anhebung der Friedhofsgebühren.

Seit Januar liegt den Stadträten die neue Kostenberechnung der Verwaltung vor. "Ernüchternd", urteilte Siegfried Siegel (SPD) am Dienstag im Ordnungsausschuss. Um durchschnittlich 25 Prozent sollen die Friedhofsgebühren steigen, so der Ausschussvorsitzende. Da Erdbestattungen deutlich teurer werden sollen, werde so der Trend zu flächensparenden Bestattungsarten und Billigangeboten gefördert. "Das Resultat sind Einnahmeausfälle und erhöhte Kosten für die Pflege der freiwerdenden Flächen."

Man müsse abwägen zwischen der Forderung der Kommunalaufsicht und dem, was dem Bürger an Kosten zuzumuten ist - zwischen Haushaltslage und Friedhofskultur. "Wir als Stadtrat entscheiden letztlich darüber, wie wir mit unseren Friedhöfen umgehen", so Siegel. "Wir sollten die vorliegende Kostenrechnung nicht einfach abnicken."

Die SPD/Grüne-Fraktion schlage deshalb vor, die Gebühren neu berechnen zu lassen. Vor allem sollen die Kosten für die verschiedenen Beerdigungsformen angeglichen werden, so Siegfried Siegel. "Damit der Preis keinen Anreiz schafft, sich für eine Urne und gegen eine Erdbestattung zu entscheiden." Derzeit spiele die Größe eines Grabes eine dominante Rolle bei der Gebührenberechnung. "Uns sollte jede Bestattungsart ähnlich viel wert sein", erklärte der Politiker. Die Kosten für die Pflege der Friedhofsanlage, die bislang zu 75 Prozent auf die Nutzer umgelegt wurden, sollen künftig vollständig von der Stadt übernommen werden. "Davon erhoffen wir uns eine deutliche Senkung der Gebühren."

Thomas Schatz und Christian Härtel (beide Linke) betonten, dass sie den Vorschlag der SPD/Grüne-Fraktion "grundsätzlich befürworten". Dennoch sollten Urnenbestattungen nicht teurer werden, um die christliche Erdbestattung zu subventionieren, so Härtel. Beerdigungen seien schon jetzt teuer genug und würden viele Menschen vor finanzielle Probleme stellen. CDU-Stadtrat André Weber sprach sich ebenso für eine Neuberechnung aus, wies aber darauf hin, die extremen Gebührenanstiege bei einigen Posten etwas abzufedern.

"Wir haben die Gebühren acht Jahre lang nicht erhöht, deshalb kommt es jetzt zu diesen Sprüngen", entgegnete Ordnungsdezernent Volker Friedrich. "Hätten wir jährlich angepasst, wäre das nicht der Fall." Die neue Gebührensatzung sei schon Konsens gewesen, warf Reinhard Wurzel ein. "Wenn wir jetzt diesem Vorschlag folgen, haben wir wieder lange Diskussionen vor uns", so der CDU-Politiker. "Und wer weiß, ob das Ergebnis am Ende mehrheitsfähig ist?" Er gehe nicht davon aus, dass die entgültige Entscheidung über die Friedhofsgebühren vor der Stadtratswahl am 25. Mai fallen wird.

Die Mehrzahl der Ausschussmitglieder stimmte anschließend dafür, die Verwaltung mit einer alternativen Gebührenrechnung zu beauftragen.

Hintergrund: In den vergangenen Jahren hat die Verwaltung versucht, die Personal- und Sachkosten für die städtischen Friedhöfe zu senken. Gräber in Hanglagen wurden nicht wieder neu belegt, die Saisonbepflanzung reduziert. Doch vor allem der Wernigeröder Zentralfriedhof "Am Eichberg" kommt die Stadt weiter teuer zu stehen. Die Pflege des 16 Hektar großen Areals in Hanglage ist aufwändig. Das Wegenetz erstreckt sich über 18 Kilometer, viele Pfade sind nicht befestigt. Neue Gräber lassen sich nur mit schwerem Gerät ausheben, weil die Erdschicht gerade einmal 30 Zentimeter tief ist. Darunter befindet sich eine Tonschieferschicht.