Wernigerode l Die Konzertreihe "Gemeinsam mit der Jugend musizieren" ist volljährig. Zum 18. Mal wurde sie vom Jugendkammerorchester der Kreismusikschule Harz und dem Philharmonischen Kammerorchester Wernigerode am Sonntag im ausverkauften KiK-Saal des HKK-Hotels präsentiert. Vorangegangen war am Sonnabend das gleiche Konzert in Quedlinburg. Steffen Hoffmann und MD Christian Fitzner teilten sich in das Dirigat.

Die stellvertretende Landrätin Heike Schäffer (parteilos) würdigte in sehr persönlichen Worten die fast zwei Jahrzehnte währende Talenteförderung. Sie dankte der Harz-Sparkasse, den Stadtwerken und dem Bürgerpark für die Unterstützung der jungen Musiker, von denen schon viele nach dem Studium das Musikleben in namhaften Orchestern prägen.

Ein Beispiel dafür ist der 1990 geborene Cellosolist Christian Hoffmann. Nach erstem Unterricht bei seinem Vater nahm er 2006 am Weimarer Musikgymnasium "Schloss Belvedere" seine Studien auf, gewann Preise im Wettbewerb "Jugend musiziert" auf Landes- und Bundesebene und studiert seit 2011 an der Dresdner Hochschule für Musik bei dem bekannten Cellisten Ramon Jaffé.

Im Konzert musizierten Vater und Sohn das jüdische Gebet "Kol Nidrei" opus 47 von Max Bruch. Er untertitelte es als ein "Adagio von hebräischen Themen für Cello und Orchester." "Kol Nidrei" sind die beiden ersten Worte eines wichtigen jüdischen Liturgietextes. Das 1881 entstandene, elegisch getragene Werk schwankt zwischen Dur und Moll.

Es ist volksliedhaft im Dialog zwischen dem Orchester und dem singenden, wehmütigen Violoncello. Eine beglückend innige Interpretation, mit stürmischem Applaus und Bravorufen gefeiert.

Drei Sätze der 1815 in nur neun Tagen entstandenen Sinfonie Nr. 3 D-Dur von Franz Schubert schlossen sich an. Die über 70 Musiker beider Klangkörper fügten sich nahtlos bei diesem unbeschwerten Jugendwerk des erst 18-jährigen Komponisten zusammen.

Anschließend überreichte die Landtagsabgeordnete Angela Gorr (CDU), seit zehn Jahren Chefin des Freundeskreises der Kreismusikschule "Andreas Werckmeister" in Wernigerode, wiederum langstielige Rosen, gestiftet von der Gärtnerei Bergfeld. In den Vorjahren waren durch den Verkauf Tausende Euro zugunsten der Förderung der begabten Musiker zusammengekommen.

Nach der Pause dominierte Tänzerisches das Programm: der Walzer "Wiener Blut" von Johann Strauß (Sohn), die ungarischen Tänze Nr. 6 und 7 von Johannes Brahms und der Slawische Tanz Nr. 4 von Antonin Dvorák. Weiten böhmischen Melodiebögen standen Walzerseligkeit und ungarisches Temperament gegenüber - mit musikantischem Feuer gemeistert. Besonders die jüngsten Besucher gingen voller Freude am Rhythmus begeistert mit.

Abschließend kündigte Fitzner zwei effektvolle Werke des US-Filmkomponisten John Williams an - die "Indiana Jones"-Konzertsuite und die Musik zu "E.T.". Beide Filme waren am Wochenende im Fernsehen zu erleben. "Das Programm richtet sich also nach unserem Gemeinschaftskonzert." Und das bereitete Musikern und Publikum ungetrübtes Musikvergnügen.

Langer Beifall und eine Zugabe, angestimmt von Steffen Hoffmann - mit "Harry Potter"-Klängen von Williams. Wie es sich bei einem Volljährigkeits-Fest gehört, waren vier Generationen an Gratulanten gekommen, unter ihnen der Magdeburger Dieter Steinecke, Landtagspräsident a. D., und seine Gattin. Zwei Fans der Gemeinschaftskonzerte von Anfang an.