Wernigerode l "Meinen Mann Heinz und mich faszinieren auf unseren Harzwanderungen immer wieder Schönheit und Formenreichtum von lebendem und totem Holz", sagt Tura Jursa. Seit 1955 lebt die ehemalige Zahntechnikerin in Nordhausen, inzwischen ist sie Rentnerin und findet so Zeit, sich mit Kunst zu beschäftigen. Die bei ihren Harztouren gesammelten Eindrücke verarbeitet Tura Jursa in dreidimensionalen Bildern und Skulpturen aus Holz.

Seit 2007 sind ihre Werke in Ausstellungen zu sehen, da-runter in Erfurt, Nordhausen, Heringen, Stolberg, Harzgerode und Heiligenstadt. Nun zeigt sie bis zum 7. Mai in der Vereinigten Volksbank 29 Kunstwerke aus Holz. Bereichert wird die Schau von Erika Schliemer, die zwölf Scherenschnitte beisteuert.

"Wir eröffnen eine wohl einmalige Ausstellung", ist Bank-Vorstandssprecher Hans-Heinrich Haase-Fricke überzeugt. Er bedauert, dass keine der Arbeiten verkäuflich ist. "Zauberhafter Harz in Holz" soll vor allem Freude bereiten.

Vor 13 Jahren entdeckte Tura Jursa den Naturwerkstoff Holz. "Damals begann ich autodidaktisch mit seiner Bearbeitung", so die Künstlerin. Wuchsrichtung und Maserung des Holzes, vor allem Eiche, Esche, Lärche und andere einheimische Hölzer würden ihr die Inspiration für Inhalt und Ausführung des zu schaffenden Holzbildes oder der Skulptur geben.

Wer zu den guten Freunden von Tura Jursa gehört, bekommt möglicherweise eine ihrer Arbeiten geschenkt, so Benno Schmidt, besser als Brocken-Benno bekannt. Ihn hatte sie am 3. Oktober 2012 während einer geführten Wanderung am Tag der deutschen Einheit kennengelernt. "Benno gehört für mich einfach zum Brocken dazu", erklärt sie. So ist der Wernigeröder Wanderer auf einem der Bilder, das sie "Goethe, Heine und Brocken-Benno" nannte, mit dargestellt.

Sie fertigte es aus einer sechs Zentimeter starken Esche-Platte, die in der Ausstellung zu sehen ist. Neben Brocken-Benno und seiner Frau ist auch sein Sitzplatz zu erkennen. Als hübsches Detail lässt die Nordhäuserin den Teufel aus Goethes "Faust" mit Platz nehmen. Es fehlen weder die Brockenhexen noch der Fingerhut als typische Pflanze für den höchsten Harzgipfel.

Einen Wandernadelkasten hat sie ebenfalls mit untergebracht. Für ein derart aufwändiges Bild benötigt Tura Jursa etwa drei Monate, erläutert sie.

Erika Schirmer, inzwischen Ehrenbürgerin von Nordhausen, war schon 1948 bekannt, als die Kindergärtnerin den Text und die Melodie des aus vier Strophen bestehenden Liedes "Kleine weiße Friedenstaube" veröffentlichte.

Während der Ausstellung in der Vereinigten Volksbank präsentiert sie einige ihrer Scherenschnitte. Deutlich wird auf den Bildern ihre ausgeprägte Lust am Fabulieren und die geistvolle Betrachtung ihrer Harzheimat. In Thüringen ist die Künstlerin weithin bekannt. Mit der jetzigen Ausstellung dürfte sie auch vielen Wernigerödern in guter Erinnerung bleiben.