Wasserleben/Schmatzfeld. Seit Anfang dieser Woche gibt es einen "Nordharzer Bauernstammtisch". Etwa 20 Landwirte haben diesen am Montag in Wasserleben aus der Taufe gehoben. Formal wird auf die Gründung eines eingetragenen Vereins sowie die Wahl eines Vorsitzenden verzichtet. Gedacht ist daran, sich nach Bedarf zu treffen. Der Geschäftsführer der Schmatzfelder Agrargenossenschaft "Bundschuh", Winfried Burscheit (58): "Dahinter stecken die neuen Strukturen des Nordharzes. Immerhin bewirtschaften wir jetzt in einem Ort gemeinsam eine Fläche von 8 400 Hektar." Das geht mit geteilten Aufgaben, aber auch sehr ähnlichen Interessenslagen einher.

"Eine Handvoll Kriminelle und wir sind die Dummen"

Schmatzfelds Ortsbürgermeister: "Im Nordharzer Gemeinderat sitzen außer mir nur noch weitere zwei Landwirte. Wir sind also in dieser ausschließlich ländlichen Region, lediglich drei von 20 Gemeinderatsmitgliedern, die diese Belange direkt vertreten können."

Zum Auftakt stand zunächst das Thema der durch den Nordharz erwogenen Erhöhung der Grundsteuer A im Fokus. Es geht um eine Anhebung von derzeit 300 auf 400 Prozent (zum Vergleich: in Wernigerode sind es derzeit 280 Prozent).

"Milch-, Eier- und Schweinepreise: alles auf Talfahrt"

Burscheit: "Das ist der einfachste und billigste Weg zur Erhaltung der landwirtschaftlichen Vorfluter." Er betont in diesem Zusammenhang, dass das eigentlich eine grundsätzliche Pflicht des Eigentümers ist. Dennoch will man den acht Ortschaftsräten die Empfehlung geben, besagter Erhöhung der Grundsteuer A auf jeden Fall zuzustimmen. Gleichzeitig geht es um einen zehnprozentigen "Erschwernisszuschlag". So würden nicht nur landwirtschaftliche Flächen entwässert, sondern auch Grundstücke oder Straßen.

Zweites Thema waren die Folgen des Dioxin-Skandals. Burscheit: "Das wird wieder ausschließlich auf dem Rücken der Bauern ausgetragen: die Milch-, Eier-, Schweinepreise: alles auf rasanter Talfahrt. Die Dummen sind wegen einer Handvoll Krimineller wieder mal wir." So koste eine Dioxin–Untersuchung 700 Euro: "Was glauben sie denn, wer das bezahlt?" An die Adresse der Politik gerichtet, zählt zu den ersten Forderungen, nicht mehr nur zu reagieren, sondern "vor dem nächsten Skandal endlich auch mal zu agieren".

Bezüglich neuer landesweiter Finanzierungsregelungen ("FAG") befürchten die Nordharzer Landwirte, im Vergleich zu den Ballungszentren künftig schlechter gestellt zu werden.

"Wie lange wir das noch durchhalten, weiß kein Mensch"

Burscheit: "Ursprünglich waren wir mal froh, als landwirtschaftlicher Raum unsere Eigenständigkeit im Nordharz erhalten zu haben. Jetzt zeichnet sich aber ab, dass wir, unter Verzicht auf eine Angliederung an Wernigerode oder Ilsenburg, höchstwahrscheinlich auf die falsche Karte gesetzt haben. Wie lange wir das noch durchhalten, weiß kein Mensch."

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