Wernigerode l Das "Napo" ist eine Institution. Seit 1992 lockt eine urige Wernigeröder Kneipe mit dem Namen "Napoleon" und bis zu acht Sorten frisch gezapften Gerstensafts die Kundschaft. Fünf Wirte haben seither das Lokal erfolgreich durch alle Hochs und Tiefs geführt - doch jetzt droht den Wernigerödern ein neuer napoleonischer Krieg.

Dass der streitbare Korse und Kaiser aller Franzosen ein Biertrinker war, ist eher unwahrscheinlich. Und auf seinen Feldzügen gen Russland oder zur Leipziger Völkerschlacht ist er auch niemals im Harz gesehen worden. Der Kneipen-Name also ein bloßer Marketing-Gag?

Nein, beteuert jener Wernigeröder, der 1992 das Lokal eröffnet und ihm den "Napoleon"-Namen verpasst hatte. Im Nachbarhaus habe Anfang des 19.Jahrhunderts der französische Stadtkommandant logiert, zu Zeiten des Königsreichs von Westfalen. Und dessen Chef war Napoleons jüngster Bruder Jérôme, der als König den Namen Jérôme Napoleon getragen habe.

Dass anerkannte Harzer Geschichtsexperten an diesem Histörchen leise Zweifel anmelden, hat dem Ruf des Lokals bislang nicht geschadet. Dafür sorgt jetzt die aktuelle Entwicklung in Wernigerodes Kneipen-Landschaft für Verwirrung: Der bisherige "Napo"-Chef zieht um - nicht ganz freiwillig, wie es heißt - dafür samt Einrichtung und erfolgreich eingeführtem Namen "Das Napoleon".

Das jedoch will der Gaststätten-Gründer nicht kampflos hinnehmen. Ein leeres Lokal nach 22 Jahren - niemals. Ein neuer Pächter ist schnell gefunden, auch der Name: "Zum Napoleon - das Original".

Was für ein Trost für all jene, die bierselig durch Wernigerode torkeln und das "Napoleon" doppelt sehen. Das liegt wahrlich nicht an ihnen.