In Wernigerodes Kindertagesstätten ist Bärbel Dittrich ein gern gesehener Gast. Die 66-Jährige führt die Mädchen und Jungen in die Welt der Märchen ein. Fantasievolle Kulissen und Kostüme bastelt die leidenschaftliche Märchenerzählerin und Näherin selbst.

Wernigerode l "Es war einmal ..." - wenn Bärbel Dittrich diese berühmten Worte spricht, hängen die Mädchen und Jungen sprichwörtlich an ihren Lippen. Mit "Hänsel und Gretel", "Dornröschen" und "Froschkönig" führt die Rentnerin Wernigerodes Kindergarten-Knirpse in die Welt der Märchen ein. Auch außerhalb der Stadt, in Langeln, Veckenstedt, Silstedt, Heudeber und Blankenburg, ist die Märchenerzählerin ein gern gesehener Gast.

"Ich war schon immer von Märchen fasziniert", sagt die 66-jährige Wernigeröderin. "Als Kind habe ich sie oft und gerne gelesen. Die Bücher habe ich aufbewahrt." Nicht nur ihre Kinder, später auch ihre Enkelkinder begeisterte sie mit ihrer Leidenschaft für Märchen. "Ich habe sogar den Nachbarskindern und den Mädchen und Jungen im Kindergarten meiner Enkel vorgelesen." Weil das den Kleinen so viel Spaß bereitete, begann sie Kostüme zu nähen und Kulissen zu basteln, um die Kinder in die Geschichten einzubeziehen. Gut 30 Kostüme für sieben verschiedene Märchen umfasst der kleine Fundus von Bärbel Dittrich. Die Kleidungsstücke hat die geschickte Hobbynäherin mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Ebenso wie die Kulissen - ob Brunnen, Baum, Ofen oder Burg. In Wernigerode hat sich das märchenhafte Hobby der gebürtigen Randberlinerin inzwischen herumgesprochen. "Ich erhalte viele Anfragen aus Kindertagesstätten." Vor allem in der Weihnachtszeit, aber auch während der Wintermonate, wenn die Kleinen nicht jeden Tag draußen spielen können.

"Heute seid ihr keine Kindergartenkinder, heute seid ihr Märchenfiguren, sage ich am Anfang immer." Dann packe sie die Kostüme aus, führe die Kinder in die Handlung ein. Gerade Grimms Märchen seien oft ziemlich brutal, deshalb entschärfe sie die Geschichten und präsentiere sie kindgerecht. "Beim Spielen der Märchen können die Mädchen und Jungen ihrer Fantasie freien Lauf lassen", sagt Bärbel Dittrich. "Sind sie zu schüchtern, dann helfe ich ihnen. Bei mir muss kein Kind Angst haben zu versagen." Am Ende der Märchenstunde seien die Knirpse oft so begeistert, dass sie Bärbel Dittrich gar nicht mehr gehen lassen wollen. "Ich muss ihnen dann immer versprechen, dass ich wiederkomme."

"Die Kinder glücklich zu sehen, das ist mir der schönste Lohn."

Märchenerzählerin Bärbel Dittrich

Für ihre Auftritte erhält Bärbel Dittrich einen minimalen Unkostenbeitrag - oft nicht genug für ihre Ausgaben. "Ich muss die Kostüme waschen und ausbessern, die Kulissen reparieren." Dazu kämen noch die Fahrt- und Transportkosten. "Ich weiß, dass die Kindergärten selbst kein Geld haben. Deshalb wünsche ich mir manchmal ein bisschen mehr Unterstützung von der Stadtverwaltung." Doch letztlich ginge es ihr vor allem darum, Freude zu vermitteln. "Die Kinder glücklich zu sehen, das ist mir der schönste Lohn."