Grit Kamann-Selbach und Geraldine Friedrich wollen Krebspatienten helfen. Potenzielle Knochenmarkspender können sich in Wernigerode registrieren lassen - und damit vielleicht Leben retten.

Wernigerode l Es ist ein Todesfall, der Grit Kamann-Selbach dazu bringt zu handeln. "Eine Mitarbeiterin der Schwimmhalle ist zu Jahresbeginn an Krebs gestorben", sagt die 34-Jährige, die sich als Jugendtrainerin und Sportwartin für den Harzer Schwimmverein (HSV) 2002 engagiert. Im Verein und im Bekanntenkreis wurde die Wernigeröderin teils hautnah damit konfrontiert, wie die Betroffenen sich mit der Krankheit gequält haben.

Grit Kamann-Selbach will nicht nur zusehen, sondern etwas tun. "Die Idee hatten wir schon länger", sagt sie. Gemeinsam mit Geraldine Friedrich organisiert sie im Namen ihres Vereins eine Aktion zur Knochenmarktypisierung. "Das ist der einzige Weg, wie man Menschen mit Krebs direkt helfen kann - abgesehen von Organspenden", erklärt Grit Kamann-Selbach. Sie nahm Kontakt zur Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) auf. Die gemeinnützige Gesellschaft vermittelt Stammzellspenden an Blutkrebspatienten und führt eine Datenbank, in der weltweit mehr als 40000 Spender registriert sind.

Freiwillige können sich am Montag, 19. Mai, von 15 bis 20 Uhr in der Wernigeröder Schwimmhalle typisieren lassen. Mit einem Wattestäbchen wird dabei ein Abstrich von der Wangenschleimhaut genommen. Die Gewebemerkmale werden analysiert, in die DKMS-Datenbank aufgenommen und an das zentrale Knochenmarkspenderregister in Ulm übermittelt. Wenn die Merkmale mit denen eines Patienten übereinstimmen, kann der Gesunde dem Kranken Knochenmark oder Stammzellen spenden.

Geraldine Friedrich hofft, dass viele Wernigeröder die Gelegenheit nutzen werden, sich als Spender anzubieten. Die 38-Jährige weiß aus eigener Erfahrung, wie nötig Krebspatienten Hilfe brauchen. Vor zwei Jahren erhielt sie die Diagnose Brustkrebs. "Ich gehöre zur vierten Generation in unserer Familie, die daran erkrankt ist", sagt sie. Es folgten Operation, Chemotherapie, Bestrahlung: "Das volle Programm."

Mittlerweile ist die alleinerziehende Mutter zweier Kinder geheilt und will anderen Betroffenen helfen. "Gerade Leukämie trifft viele Kinder", sagt sie. Die DKMS unterstütze aber auch Patienten, die an anderen Krebsarten erkrankt sind, bezahle etwa Kosmetikseminare für Frauen, die eine Chemotherapie hinter sich haben und an Haarausfall leiden. "Ich habe selbst an einem solchen Seminar teilgenommen. Das ist eine tolle Sache, für viele Frauen ist das sehr wichtig."

Die beiden Organisatorinnen haben sich viel vorgenommen. Rund um die Typisierungsaktion veranstalten sie ein buntes Programm, um Geld zu sammeln. Die Bestimmung der Gewebemerkmale im Labor kostet nämlich 50Euro pro Person, von den Krankenkassen werden diese Kosten nicht übernommen. Um das Geld zusammenzubringen, wird an mehreren Tagen das "Schwimmen gegen den Krebs" stattfinden. Dabei wollen junge HSV-Schwimmer in 15 bis 30Minuten möglichst viele Bahnen zurücklegen. Ebenso werden Sportler anderer Vereine an den Start gehen, am Montag können zudem Gastschwimmer ihre Bahnen ziehen. "Wir suchen Sponsoren, die einen bestimmten Betrag pro Bahn oder einen Festbetrag spenden", erklärt Grit Kamann-Selbach. Nicht die Höhe der Beträge sei entscheidend, sondern der gute Wille zähle, da sind sich die Organisatorinnen einig.

Und der ist bei vielen vorhanden, wie die beiden erfahren haben. Erst vor gut zehn Tagen haben sie angefangen, für ihre Idee zu werben. Die positive Resonanz sei überwältigend. Ärzte des Harzklinikums wollen einen Fachvortrag zum Thema organisieren, der Gospelchor aus Hohegeiß bot ein Benefizkonzert an, das am 23. Mai in der Arche am Floßplatz stattfinden soll.

Die Pläne sind weit gediehen. So stehen am Aktionstag ab 15 Uhr das Spielmobil, eine Riesenrutsche und Spielestände des Internationalen Bundes bereit. In der Schwimmhalle werden Schnupperkurse für Aquafitness und Aquagymnastik angeboten. Über den Landesschwimmverband wollen Grit Kamann-Selbach und Geraldine Friedrich Autogrammkarten von Schwimmstars besorgen. Die Schirmherrschaft übernimmt der Harzer Landrat Martin Skiebe (parteilos).

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