Der Winter ist ausgeblieben - wie reagiert die Tierwelt darauf? Die Harzer Volksstimme hat zum heutigen kalendarischen Frühlingsanfang mit Frank Lüddecke vom Wernigeröder Wildpark und Michael Selmikat von der Stadtforst gesprochen.

Wernigerode l "Der kurze Winter und der frühe Frühlingsbeginn machen sich vor allem bei Kleinvögeln bemerkbar", sagt Frank Lüddecke vom Wildpark Christianental in Wernigerode. "Sie sind schon seit Ende Februar mit dem Nestbau beschäftigt, Ende März ist mit den ersten kleinen Singvögeln zu rechnen."

Gerade in der Vogelwelt werde ersichtlich, dass sich die Vegetation um drei bis vier Wochen früher entwickle als gewöhnlich. Auch die Krötenwanderung habe bereits begonnen, betont Lüddecke. "Wir haben die Krötenzäune im Februar aufgestellt - das gab es noch nie."

Warnschilder machen im Christianental auf die Amphibien aufmerksam, Lüddecke bittet um besondere Rücksicht. Die Streicherenten am unteren Teich des Wildparks brüten bereits, und die ersten Gehölze treiben aus. Frank Lüddecke: "Wir wünschen uns, dass die Leute Rücksicht auf die Brutgeschäfte der Tiere nehmen und alles etwas ruhiger im Christianental ablaufen kann."

Dass es viel früher als sonst Frühling wird, habe Lüddecke indes nicht nur an den Tieren, die im Wildpark leben, bemerkt. "Erste Besucher kommen schon in kurzen Hosen", sagt der Wildpark-Chef lachend. Er rät, dass die Leute sich dennoch warm kleiden sollen, denn wenn die Sonne weg ist, werde es recht kühl.

Unterschiede im Vergleich zu den Vorjahren hat Michael Selmikat vom Wernigeröder Stadtforst bei den Wildtieren im Stadtwald beobachtet.

"Das Rotwild hat normalerweise die Eigenschaft, den Winter in den tieferen Lagen des Harzes zu verbringen. In diesem Winter sind viele Tiere gar nicht erst herunter gekommen. Das Wanderverhalten war nicht so ausgeprägt wie sonst in den Wintern. Dadurch gab es keine Großrudelbildung", so der Forstmann.

Den Rehen mache laut Selmikat ein kälterer Winter ohnehin kaum etwas aus. "Rehe sind sehr robuste Tiere, denen kann die Kälte so schnell nichts anhaben."

Den Wildschweinen hingegen hat der Winter 2012/13 schwer zugesetzt. Selmikat: "Im letzten Winter hatten wir im Revierstadtwald deutlich mehr Schwarzwildverluste zu beklagen. Durch den langen Winter fanden die Tiere keine Nahrung."

So habe es einen Doppeleffekt gegeben - die Tiere verhungerten oder erfroren, wodurch sich die Zahl der Nachkömmlinge verringerte. "Da die Wildschweine schon im März ihre Frischlinge zur Welt bringen, hatten wir 2013 einen unterdurchschnittlichen Bestand." Es sei, so Selmikat, davon auszugehen, dass sich der Wildschweinbestand 2014 wieder erholen werde.

"Durch den milden Winter in diesem Jahr wird die Zahl der Tiere wieder steigen", prognostiziert Selmikat. Allgemein komme die frühlingshafte Witterung laut Selmikat den wildlebenden Tieren sehr zugute. "Aber das ist eben die Natur, manche Winter sind hart, andere nicht. Die Natur regelt das von allein."

Auf die Bepflanzungen im städtischen Wald habe der zeitige Frühling jedoch keinen Einfluss. Selmikat: "Für die Förster ist die Klimaentwicklung entscheidend. Wir pflanzen erst im April, weil momentan doch noch mit Nachtfrost zu rechnen ist." Außergewöhnlich ist es schon, dass das Frühjahr jetzt schon so warm ist - so das abschließende Fazit von Michael Selmikat.