Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Das fragen sich die Stadtchefs von Braunlage in Niedersachsen und Oberharz. Grundschüler aus Hohegeiß könnten zum Beispiel in Benneckenstein lernen. Das ergibt eine SPD-geführte Gesprächsrunde für mehr Zusammenarbeit. Fortsetzung folgt.

Braunlage l Es ist ja nicht so, dass es keine Zusammenarbeit der Anrainer im oberen Harz vor und hinter dem Brocken gibt. In unterschiedlichen Abständen treffen sich die Bürgermeister Stefan Grote aus Braunlage in Niedersachsen und Frank Damsch aus der Stadt Oberharz hier in Sachsen-Anhalt immer wieder mal, um sich auszutauschen. "Aber dabei" - da ist sich der Kreisvorsitzende der SPD Harz und Landtagsabgeordnete Ronald Brachmann sehr sicher - "ist eigentlich viel mehr drin."

Gemeinsam mit seinem Stellvertreter Kurt Neumann sowie der Kreisvorstandsbeisitzerin Elke Stutzkowski regte Brachmann ein Treffen von Damsch und Grote an. Beide sind ebenfalls Sozialdemokraten, wobei die Zusammenarbeit auch ohne diese Übereinstimmung für sie erstrebenswert sei, wie beide der Harzer Volksstimme sagen. Denn: "Wir haben die gleichen Probleme hier wie da", fasste Ronald Brachmann das Ergebnis der Gesprächsrunde im Braunlager Rathaus zusammen.

Danach haben beide Harzer Städte eine schöne Umgebung und müssen vom Tourismus leben. Beide haben mit Einwohnerschwund und Überalterung zu kämpfen, und beide wollen ihren Einwohnern Lebensqualität bieten, wie gesagt wurde. Zum Beispiel jungen Eltern.

Derzeit besuchen bereits ältere Schüler aus Benneckenstein die Sekundarschule Braunlage. "Auch der umgekehrte Weg ist denkbar, etwa für Grundschüler aus Braunlage/Hohegeiß in die Grundschule Benneckenstein", regen Brachmann und Grote an. Zumal das Hohegeißer Schulhaus, 1868 gebaut, spätestens 2018 zu schließen sei, wie Grote informiert. Der Ort Hohegeiß aber liege näher zu Benneckenstein hinter der Landesgrenze als zur eigenen Kernstadt Braunlage. Eine grenzübergreifende Regelung wäre für Hohegeißer Eltern daher nutzungsfreundlicher und würde womöglich Bestandsprobleme der Grundschule Benneckenstein mildern.

Auch in Fragen des Tourismus wollen Braunlage und Oberharz stärker zusammenrücken. Das betrifft die Abstimmung bei großen Unternehmungen wie mit dem Tourismuskonzept der Stadt Oberharz ebenso wie die Nutzung des Urlauber-Ticket-Systems Hatix. Es ermöglicht den Nutzern die freie Fahrt im ganzen Landkreis Harz. "Aber eben nicht nach Braunlage und weiter", so Grote. Da sehe er ebenso Möglichkeiten wie bei der grenzübergreifenden Arbeit des Harzer Tourismusverbandes. Der leiste viel Gutes, aber oft punktuell.

"Die Lenkung des Tourismus im Harz muss mehr aus einer Hand kommen und darf auf die Landesgrenze keinerlei Rücksicht nehmen", sagt Grote und hat Brachmann sowie Damsch hinter sich. Das sei sicher nicht einfach bei verschiedenen Landes- und Kreisregierungen, verschiedenen Fördertöpfen und vielen Orten, die unter einen Hut zu bringen sind. "Bis hin zu einer Vereinheitlichung der Kurtaxe in der ganzen Region beider Städte", blickt Stefan Grote voraus.

Denn während in der Stadt Oberharz generell 1,80 Euro pro Erwachsenem je Nacht gilt, gibt es in der Stadt Braunlage drei Kurtaxen (siehe Infokasten).

Eine Art Durchbruch sei das grenzübergreifende Gespräch vielleicht nicht gewesen, resümiert Brachmann. Vor Ort werde ja schon gut gearbeitet. Aber das reiche nicht aus, und so sei das Gespräch hoffentlich ein neuer Anfang. Weitere Treffs wurden verabredet.

 

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