Wernigerode l Eine Gruppe Touristen blickt von der Markstraße zum Schiefen Haus. "Ist das eine Ausgrabungsstätte?", wollen sie von ihrem Stadtführer wissen. Er klärt auf: Was wie ein archäologischer Tummelplatz anmutet, soll bis zum Sachsen-Anhalt-Tag ein einladender Park zum Verweilen, Treffen und Dösen werden.

Die Fertigstellung der Fläche wird eine Punktlandung zum Landesfest, bestätigt Bauamtsmitarbeiterin Gerlinde Brammer gegenüber Volksstimme. Wenn die Großveranstaltung vom 18. bis 20. Juli in Wernigerode gefeiert wird, präsentieren sich die Regionen Elbe, Börde und Heide den Besuchern auf dem Areal. "Wir arbeiten unter Hochdruck", sagt Gerlinde Brammer. "Das Wetter spielt super mit, und die Bestellfristen wurden eingehalten." Eine neue Mauer steht bereits. Der Durchgang zwischen Schiefem Haus und Rathaus-Rückseite - der "Waaghof" - ist bereits fertiggestellt. Im Sommer steht der Platz den Gästen des Jugendcafés im Schiefen Haus zur Verfügung.

Und der Grund für die Erdarbeiten? Zum Einen wurde der Schacht für die Blumenuhr ausgehoben. "Und die Bauarbeiter aus Ströbeck verlegen momentan eine Wasserleitung", so Gerlinde Brammer. "Sie speist später eine Pumpenanlage inklusive Reinigungsschlauch, mit dem der Droschkenplatz bei Bedarf abgespritzt werden kann." Zwei Pferdekutschen können später an der Ecke Marktstraße/Teichdamm "parken", ohne unangenehme Gerüche zu hinterlassen.

Die Fläche wird dafür um rund 40Quadratmeter vergrößert. Die anliegende Einbahnstraße sei dann immer noch breit genug für die Durchfahrt von Bimmelbahn und Autos. Gepflastert wird der Park einheitlich mit glattem Granit. "Das Pflaster sieht ganz ähnlich aus wie das auf dem Marktplatz in Quedlinburg", so die Bauamtsmitarbeiterin. "Ziel war es, einen Park zu schaffen, der zum Verweilen einlädt, auf dem man den Blick zum Schloss genießen kann, ohne etwas verzehren zu müssen."

Zwei große Sitzbänke aus Holz, die sich links und rechts an die Blumenuhr anschließen, sollen Passanten ermöglichen, die Seele baumeln zu lassen. Sie sind mit drei mal drei Metern so großzügig dimensioniert, dass Besucher ihre Beine hochlegen können.

Ringsherum werden Bänke und Blumenuhr mit bunt blühenden, duftenden Stauden bepflanzt. "Was wir nicht mehr wollen, sind diese großen Büsche, die den Blick zum Schiefen Haus versperren." Auch direkt in die Holzbänke werden Blumenkästen integriert. Die drei großen Linden werden ebenso wie die Litfaßsäule erhalten. Unter einen Baum wird ein weiteres Sitzpodest platziert. "Schön im Schatten, das bietet sich besonders für kleine Kinder an."

Die Jüngsten können sich auf dem Areal vielfältig beschäftigen: Ein Hüpfspiel mit Hickelkästen wurde auf Vorschlag von Stadträtin Renate Goetz (CDU) in den Entwurf der Architektin Margrit Hottenrott aufgenommen. Er wird mit farbigen Pflastersteinen zwischen den drei Linden angedeutet.

Ein Detail, das an die Vergangenheit des Teichdamms mit einem Badehaus erinnert, ist der nachempfundene Wasserlauf. Aus einem Mühlstein, den Wernigerodes Wappentier - eine Forelle - ziert, entspringt das kühle Nass auf Höhe der Klintgasse. Es fließt dann über eine Rinne die Treppenstufen hinab bis zum Zugang zum "Waaghof". Dann verschwindet es im Untergrund und wird wieder zum Ursprung am Schiefen Haus hochgepumpt.

Wer vom Marktplatz aus Richtung Teichdamm schlendert, kann entweder über eine Treppe aus Naturblocksteinen oder über eine ebene Fläche mit leichtem Anstieg zu den Sitzbänken gelangen. "Die Treppenstufen sind ideal, um sich darauf zu setzen", so Gerlinde Brammer. Die Kosten für die Umgestaltung betragen rund 300000Euro.

 

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