Störche sind ein seltener Anblick im Oberharz, und auf Elbingerodes Kirche ist laut Zeugen die letzten etwa 50 Jahre kein Adebar gelandet. Bis jetzt, wie Dorothea und Karlfried Böhme erlebten und den Vogel schnell fotografierten. Denn der ist hier nur auf der Durchreise.

Elbingerode l Es ist gerade Mittag, gemütlich sitzt Rentner Karlfried Böhme (71) auf der Couch und genießt seine Ruhe. Er schaut aus dem Fenster seines Wohnhauses in der Oberen Schulstraße, und sein Blick fällt wie so oft auf den alten, schön renovierten Bau der Kirche St. Jakobi. Doch irgendwas ist daran anders, denkt der Elbingeröder. Und richtig: Der Storch auf dem Giebel ist keine Wetterfahne, der ist echt.

"Schau mal, Dorothea, dort steht ja ein Storch auf der Kirche", ruft der Senior seiner Frau zu. Geistesgegenwärtig holt Dorothea Böhme (63) schnell den Fotoapparat hervor. Ihr gelingt ein Schnappschuss, der das Ereignis im Bild festhält. Denn so oft kommt das in Elbingrode nicht vor. "Es ist schon Jahre her, da habe ich hier mal Störche gesehen", berichtet der frühere Fuhrmann Karlfried Böhme weiter. Das sei damals jedoch nicht mitten in der Stadt wie jetzt gewesen, sondern auf den Wiesen um Elbingerode. Nur ein einziges Mal hätten sich vor über zehn Jahren Störche kurz auf dem Schornstein der "Harzer Elektroinstallation" in der Rohrbachstraße niedergelassen. Aber das sei es dann auch schon gewesen in den letzten insgesamt 40 oder 50 Jahren, berichten die Böhmes. Störche seien in Elbingerode selten.

"Diese Beobachtung ist richtig", sagt Kerstin Rieche vom Landschaftspflegeverband Harz mit Sitz in Hasselfelde, "Weißstörche ziehen hier nur durch, legen höchstens mal eine Ruhepause ein." Meist zögen die im Volksmund als Kinderbringer bekannten Vögel auf ihrem Weg vom Winterquartier in Afrika über den Harz weiter ins Harzvorland oder in Richtung Börde und Altmark. Anders sei das bei den Schwarzstörchen, so Rieche. Die würden im Bereich Oberharz nisten, aber so versteckt im Wald, dass der normale Spaziergänger diese scheuen Vögel kaum zu Gesicht bekomme. Der Weißstorch hingegen werde öfter mal gesichtet, so etwa bei Königshütte, Tanne, Trautenstein. Aber auch das sei insgesamt für die Region selten, so Naturkennerin Rieche.

Dorothea Böhme in Elbingerode will ihren Schnappschuss vom "Kirchendach-Storch 2014" in Elbingerode nun sorgfältig aufheben. "Ich werde das Bild den Kindern und Enkeln zeigen", sagt die Seniorin der Volksstimme, mit Freude über das Ereignis im Gesicht. Warum sich der schwarz-weiße Vogel mit den roten Beinen ausgerechnet das Giebeltürmchen der Elbingeröder Kirche zum Rastplatz erkoren hat, bleibt für Böhmes ein Rätsel. "Vielleicht wollte er doch einer baldigen Mutti ins Bein zwacken", meint Dorothea Böhme zwinkernd. Auf jeden Fall habe sie als Elbingeröderin ihr Lebtag lang keinen Adebar auf der Stadtkirche gesehen, sagt sie: "Da saß noch nie ein Storch!" Bis jetzt halt.

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