Benzingerode l Wenn Bernd Ozminski an seine Vergangenheit zurückdenkt, laufen die Erinnerungen wie ein Film vor seinem inneren Auge ab. "Ich habe ein sehr gutes Gedächtnis", sagt der 70-jährige Benzingeröder. Ob Kindheit, Jugend, Berufsleben - er erinnere sich an zahlreiche Begebenheiten, Namen, Details.

Um seine Erinnerungen auch für andere zu bewahren, hat der ehemalige Lehrer begonnen, sie aufzuschreiben. "Keine Autobiografie, es ist auch kein Lebenslauf", sagt Ozminski. "Das wäre viel zu langweilig." Für ihn sei es viel spannender, bestimmte Lebenssituationen zu schildern, die er, aber auch viele andere ähnlich erlebt haben.

Wann immer es ihm seine Zeit erlaubt, schreibt der Rentner an seinem Computer - mit dem Ziel, das Niedergeschriebene als Buch zu veröffentlichen. "Ich will nicht daran verdienen, mich auch nicht mit richtigen Autoren messen. Mir bereitet das Schreiben Freude. Es brennt mir einfach auf den Nägeln."

Bereits 2008 erschien sein erstes Buch "Kindheit in der Nachkriegszeit" im Verlag "Books on demand". Sein aktuelles Werk ist mit dem Titel "Studienzeit" überschrieben. Humorvoll und augenzwinkernd schildert Ozminski seine Erlebnisse während der Ausbildung am Institut für Lehrerbildung in Staßfurt. Er berichtet vom Gegeneinander von Dozenten und Studenten und von den Träumen und Pflichten junger Menschen in jener Zeit.

"Wer Lehrer werden will, muss unserer Ideologie folgen - hieß es damals immer."

Der gebürtige Halberstädter nahm sein "Kombinationsstudium" 1960 auf, nachdem er die 10. Klasse der Polytechnischen Oberschule beendet hatte. Bis zum Mauerbau 1961 hatten viele Ingenieure, Ärzte und Lehrer der DDR den Rücken gekehrt. Dem akuten Lehrermangel versuchte man durch Sonderausbildungen wie in Staßfurt entgegenzusteuern.

Seine Studienzeit habe ihn geprägt, sagt Ozminski. "Wer Lehrer werden will, muss unserer Ideologie folgen - hieß es damals immer. Da habe ich als 16-Jähriger erst einmal die Luft angehalten", erinnert er sich. Der Rentner spart nicht mit Kritik an der damaligen Situation. So ist ihm unter anderem die knappe Versorgung mit Lebensmitteln und Hygieneartikel im Gedächtnis geblieben. Im Buch heißt es: "Angefangen vom knapp gehaltenen Frühstück mit nur zwei Brötchen, dem Klecks Butter und der halbsynthetischen Marmelade, über das einmalige wöchentliche Duschen und das mangelnde Toilettenpapier." Doch die Studenten wussten sich zu helfen - wie so oft. Ob es um das Schwänzen von Pflichttheaterveranstaltungen und Arbeitseinsätzen ging oder darum, befreundeten Studentinnen ein Geburtstagsständchen zu singen.

Bis heute hat Ozminski, der 40 Jahre als Lehrer tätig war, das Schreiben nicht losgelassen. Zwei neue Bücher sind in Vorbereitung. "Report eines Wehrpflichtigen der Nationalen Volksarmee der DDR" ist fast vollendet. "Es ist im ähnlichen Stil wie sein Vorgänger verfasst. Ich will es in Kürze veröffentlichen."

"Wenn ich meine Erinnerungen nicht festhalte, gehen sie irgendwann verloren."

Zudem habe er bereits mehr als 40 Seiten unter dem Arbeitstitel "Stadt und Land" niedergeschrieben. Darin gehe es um sein Berufsleben, um Erlebnisse und Anekdoten, um das Leben im Dorf und die Arbeit in der Stadt. "Wenn ich solche Geschichten nicht festhalte, gehen sie irgendwann verloren. Und das wäre doch schade."

"Studienzeit", Verlag "Books on demand", ISBN 978 384 820 01 46