In der Theorie kennen Stephan Pieper und Teresia Meltzer aus Dresden die Funktionsweise von Talsperren. Wie sie in der Praxis umgesetzt wird, erkunden die Wasserwirtschaftsstudenten als erste Besucher der Saison in der Wendefuhrter Staumauer.

Wendefurth l Es ist kühl, die Luft feucht. Wasserrauschen vermischt sich mit dem Surren von Maschinen. Kein Tageslicht dringt durch die dicke Betonmauer. Sie ist der einzige Schutz vor dem Meter hohem Wasser. Passieren könne nichts, versichert Hans-Dieter Metzing. Zum ersten Mal in dieser Saison zeigt der Staumeister Besuchern das Innenleben der Talsperre Wendefurth.

Eine Privatführung. Nur zwei Besucher sind gekommen. "Das ist immer so. Die erste Tour ist ruhig - so etwas wie die Generalprobe", berichtet Metzing. Lachend fügt er hinzu: "Dafür rennen sie uns bei den Sonnabend-Führungen die Bude ein."

"In der Theorie haben wir schon einiges darüber gehört, wie Talsperren funktionieren. Nun sehen wir uns die Praxis an."

Stephan Pieper, Student, Dresden

Seine ersten Gäste sind vom Fach. Theresia Meltzer und Stephan Pieper studieren Wasserwirtschaft in Dresden. "In der Theorie haben wir schon einiges darüber gehört, wie Talsperren funktionieren. Nun sehen wir uns die Praxis an", berichtet Stephan Pieper. Für den 23-Jährigen ist es gleichzeitig ein Besuch in der Heimat. "Ich stamme aus Rübeland", sagt er. Nach dem Studium in die Region zurück zu kehren, könne er sich nicht vorstellen. "Wo wir danach arbeiten, wissen wir ehrlich gesagt noch gar nicht", räumt Theresia Meltzer ein.

"Das ist nicht weiter schlimm. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich hier mal lande", sagt Hans-Dieter Metzing. "Nun arbeite ich schon seit 37 Jahren hier." Der 55-Jährige hat ursprünglich eine Ausbildung zum Baufacharbeiter absolviert. Eher zufällig und durch Bekannte sei er dann zum Talsperrenbetrieb gekommen. Seit 2004 ist er als Staumeister in Wendefurth tätig.

Mit einem Kollegen ist er für die kleinste der Rappbodetalsperren zuständig. "Wir machen eigentlich alles: Von Messungen über die Pflege der Außenanlage bis zu den Führrungen", erläutert Metzing.

Mit seinen Besuchern durchläuft er die Staumauer. "Sie wurde in 16 Teilabschnitten gegossen, jeder ist zwischen 11 und 16 Metern breit", informiert er. Die Abschnitte sind nicht miteinander verklebt oder verfugt. "Das ist wichtig für die Statik, jedes Teil kann sich für sich bewegen, ausdehnen oder zusammenziehen, ohne dass die Mauer Risse bekommt", erläutert der Westerhäuser.

Undicht sei die Mauer deshalb nicht: Zwei Millimeter dicke Kupferbleche zwischen den Abschnitten dienen als Isolierung. "Außerdem messen wir alle vier Wochen die Fugenspalten. Die Abweichungen liegen im Zehntelmillimeter-Bereich", so Metzing. Er zeigt seinen Besuchern Räume voller Maschinen, Pumpen und riesigen Ventilen. Wie dem sogenannten Schieberraum. In dem es so laut ist , dass Gespräche kaum möglich sind.

Ruhiger sind dagegen die Messtellen in der Staumauer. Dort wird zum Beispiel die Neigung der Staumauer kontrolliert. Dafür wird die Gewichtslotmessung angewendet. Das dünne Seil, an dem das Gewicht befestigt ist, misst 23 Meter. "Wenn es jemand berührt, dauert es drei Tage, bis es sich beruhigt", berichtet Metzing.

"Der Stausee führt kein Trinkwasser, aber er dient der Niedrigwasseraufhöhung, der Stromerzeugung und der Naherholung."

Hans-Dieter Metzing, Staumeister in Wendefurth

Die Wasserqualität der Talsperre steht ebenfalls mehrmals im Jahr auf dem Prüfstand. "Der Stausee führt kein Trinkwasser, aber er dient der Niedrigwasseraufhöhung, der Stromerzeugung und der Naherholung", erläutert der Staumeister. Eine wichtige Rolle spielt die Wendefurther Talsperre ebenfalls für den Hochwasserschutz. "Sie ist nur ein einziges Mal übergelaufen. Während des Hochwassers 1994. Da hatten wir hier zehn Millionen Quadratkilometer Wasser", erinnert sich Hans-Dieter Metzing.

Der Platz, den er Touristen besonders gern in der Staumauer zeige, sei der "Tote Gang" - Einer Sackgasse, die an eine Tropfsteinhöhle erinnert. "Hier sieht man den Übergang der Staumauer in den Felsen", sagt der Experte. Das Wasser, das hier stetig tropft, werde aus dem Stausee in den Felsen gedrückt. "Aber das ist ungefährlich", sagt Metzing.

 

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