In jedem Jahr ehrt die Handwerkskammer Magdeburg ihre "Goldenen Meister". Zu jenen, die vor 50 Jahren ihre Gesellenprüfung bestehen konnten, gehört Kurt Ginko aus Wernigerode. Nach einem langen Berufsleben als Maler will der heute 80-Jährige von Ruhestand bislang nichts wissen. Er leitet noch heute mit seiner Frau eine Pension.

Wernigerode. Ohne Arbeit kann Kurt Ginko nicht sein. Inzwischen ist er 80 Jahre alt und immer noch berufstätig. Zwar klettert er nicht mehr auf Gerüste und streicht Fassaden, dafür kümmert er sich an der Wernigeröder Louis-Braille-Straße zusammen mit seiner Ehefrau Elisabeth um Pensionsgäste.

Davon träumte Kurt Ginko gewiss nicht, als er nach seinem Schulbesuch eine dreijährige Malerlehre bei Meister Franz Weinholz in Güsen begann. In Glasau bei Genthin geboren, war sein berufliches Ziel, einmal den väterlichen Betrieb in seinem Heimatort zu übernehmen. So stieg er nach der Lehre auch bei Malermeister Emil Ginko ins Geschäft ein. Der Liebe wegen allerdings änderten sich seine beruflichen Ziele und er siedelte 1982 nach Wernigerode über. Durch Zufall hatte der Handwerker seine aus dem Harz stammende Frau kennen gelernt.

Beim VEB Gebäudewirtschaft leitete Kurt Ginko zunächst eine Brigade, um dann 1984 einen Malerbetrieb zu gründen und sich damit seinen Jugendtraum zu erfüllen. Als Zugereister aber war sein Start als privater Malermeister alles andere als leicht, denn er kannte hier nicht viele Menschen. "Nun sind Sie zwar selbständig, aber wir bestimmen, wo Sie arbeiten" – erinnerte sich Kurt Ginko daran, was einmal die Sekretärin einer Behörde zu ihm gesagt hatte. Schwierig war es auch, ein Gerüst, ausreichend qualitativ gute Farben und schöne Tapeten zu erwerben. Gern erinnert sich der Meister an einen Elbingeröder Gerüstbauer, der ihm beim beruflichen Start geholfen hatte. In guter Erinnerung blieb ihm auch der Zusammenhalt unter seinen Berufskollegen.

Als Kurt Ginko im Jahr 2000 seinen Betrieb an seinen Sohn Hendrik, den er einschließlich vier anderer junger Leute selbst ausgebildet hatte, übergab, wollte er sich nicht vollkommen aufs Altenteil zurückziehen. Der "Pensionär" hatte bereits unmittelbar nach der politischen Wende mit seiner Frau das bereits 1981 in der Louis-Braille-Straße gekaufte Haus als Pension eingerichtet. Die führt er nun mit ihr gemeinsam weiter. Oft denkt Ginko an sein Berufsleben als Maler zurück. An viele interessante Aufträge, die ihn bis in den Raum Quedlinburg führten, auch an die Modernisierung seiner Firma nach der Wiedervereinigung.

"Würde im zweiten Leben wieder Maler werden"

Sein Sohn hat nun andere Probleme, beispielsweise der Preiskampf mit Anbietern von Malerleistungen, die nicht nach Tarif bezahlen und deshalb günstigere Angebote abgeben können. Dennoch: Kurt Ginko würde in einem "zweiten Leben" wieder Maler lernen. Es sei ein wunderbares Erlebnis, zu sehen, wie Fassaden und Räume durch seiner Hände Arbeit schön anzusehen sind, betont der 80-Jährige. Er hat sich übrigens sehr gefreut, dass ihn die Handwerkskammer Magdeburg während einer festlichen Veranstaltung in Erinnerung an seine Meisterprüfung vor 50 Jahren gewürdigt hat.