Zu viele Autos, zu schnell unterwegs: Anwohner in Nöschenrode sind genervt vom Umleitungsverkehr vor ihrer Tür. Indes befassen sich die Bauarbeiter mit den Leitungen unter der Nöschenröder Straße.

Wernigerode l Seit der Verkehr der Nöschenröder Straße in Wernigerode umgeleitet wird, geht Sabine Breustedt mit ihren Kindern möglichst nicht mehr zu Fuß zum Kindergarten. Die Wernigeröderin wohnt an der Promenade und hat auf dem Weg zum Nöschenröder "Hummelhaus" im Zwölfmorgental oft Angst. "Viele halten sich dort nicht an Tempo30", sagt sie. Außerdem weichen Fahrer bei Gegenverkehr auf der schmalen Straße häufig auf den Gehweg aus. Das sei vor allem für die Kinder gefährlich. "Wenn möglich, nehme ich inzwischen das Auto."

Der Verkehr wird seit Mitte März stadteinwärts über den Lindenberg umgeleitet, stadtauswärts über die Louis-Braille-Straße und Am großen Bleek. Schwerlastverkehr wird um die Stadt herum über Drei Annen Hohne gelenkt. Diese Regelung gilt bis zum Winter, dann sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein.

Viele nutzen aber die Promenade als Schleichweg, obwohl sie offiziell nicht als Umleitung ausgeschildert ist. "Viele fahren hier zu schnell. Für uns ist das eine sehr große Belastung", sagt Sabine Breu-stedt. Täglich seien Lkw dort unterwegs, ebenfalls mit zu hohem Tempo: "Allerdings gehören diese alle zu ein und der selben Spedition." Kritisch sieht sie auch die Situation am Holfelder Platz. "Dass es dort noch nicht geknallt hat, überrascht mich." Was helfen würde, wären Geschwindigkeitskontrollen, sagt Sabine Breustedt. Bisher habe sie nur eine einzige erlebt.

Bei der Stadtverwaltung hat bisher noch niemand Kritik an der Umleitungsregelung geäußert. "Es ist das erste Mal, dass mir zu einem so großen Bauprojekt keine Beschwerden vorliegen", sagt Henrick Günnel, der beim Ordnungsamt für die Verkehrsumleitungen zuständig ist. Bei der Straßenverkehrsbehörde in der Kreisverwaltung sind hingegen Klagen über zu hohe Geschwindigkeit und Lkw-Verkehr in der Straße Am großen Bleek eingegangen. "Die Beschilderung ist in beiden Fällen eindeutig", teilt die Pressestelle im Landratsamt mit. Deshalb sei die Polizei um Unterstützung bei der Geschwindigkeitsüberwachung gebeten. Verbotene Lkw-Fahrten könnten nur durch die Polizei unterbunden werden.

Die Beschilderung werde nicht geändert, bestätigt Henrick Günnel vom Ordnungsamt. Er hat selbst Lkw am Ende der Bachstraße beobachtet, die nicht weiterkamen. Vermutlich vertrauten die Fahrer auf ihr Navigationsgerät und übersähen die Schilder, die sie über Drei Annen Hohne lenken.

Über den Verkehr in der Lindenbergstraße hat sich hingegen noch niemand beschwert. Nach knapp drei Wochen Umleitungsverkehr sieht die Leiterin der Kinderkrippe Lindenberg, Gabriele Günsche, die Lage differenziert. Schwierigkeiten gebe es vor allem in den Stoßzeiten morgens und nachmittags. "Zwischen 7 und 8Uhr morgens sowie von 15bis etwa 17.30Uhr ist es heftig. Da braucht man gefühlte fünf Minuten, um die Straße zu überqueren." Häufig komme es zu Rückstaus von der Einmündung in die Forckestraße bis zur Krippe. "Wenn die Autos endlich losrollen, will kaum jemand anhalten und Fußgänger über die Straße lassen", sagt sie. Ein Zebrastreifen würde helfen, sagen sie und Elternsprecher Knut Meissner. Doch dem Wunsch wurde bereits in der Anwohnerversammlung vor dem Baustart eine Absage erteilt - weil es nur auf einer Seite einen Bürgersteig gibt. Ohnehin seien in Tempo-30-Zonen Zebrastreifen nicht gestattet.

Zu anderen Zeiten sei der Verkehr erträglich, sagt Gabriele Günsche. "Über den Tag geht es. Da ist es bei weitem nicht so schlimm, wie wir es uns vorgestellt hatten", sagt die Kita-Leiterin. "Die Umleitungsstrecke hat sich offensichtlich wieder eingespielt", heißt es auch in der Kreisverwaltung. Änderungsbedarf sei bisher nicht angemeldet worden.

Unterdessen kommen die Bauarbeiten an der Nöschenröder Straße eher langsam voran, weil sich die Bauleute in dem Gewirr alter Leitungen zurechtfinden müssen, das unter dem Asphalt verborgen war, erklärt Reinhold Schütze, Baubetreuer beim Landesstraßenbetrieb in Halberstadt. "Anfang der Woche gab es erhebliche Schwierigkeiten." Bei vielen Leitungen müsse geprüft werden, ob sie noch unter Druck stehen. Deshalb sind die Arbeiten einige Tage in Verzug geraten. "Wir werden aber den Bauabschnitt bis zum Sachsen-Anhalt-Tag beenden."