Eine Ausstellung über den Ort Sorge ist bis Bayern im Gespräch. Nun liegt das Buch vor, das die Schau auslöste. Es stellt mit 50Jahren Verspätung Land und Leute vor und gestattet so ungewöhnliche Einblicke. Lesungen sind in Benneckenstein und Wernigerode geplant.

Sorge l So eine große Wirkung ihres kleinen Ortes hat sich Bürgermeisterin Inge Winkel (parteilos) nicht träumen lassen: Harzer von Benneckenstein bis Wernigerode, Münchner und Ingolstädter kommen über die Geschichte des Grenz-ortes freundlich ins Gespräch. Eine Ausstellung in Ingolstadt stellt die ganze Region vor, es gibt Besuche, Gegenbesuche.

Jetzt liegt auch jenes Buch vor, das die grenzübergreifende Ausstellung in Bayern überhaupt erst auslöste. "Sorge - ein Dorf mitten in Deutschland" heißt es ähnlich wie die Schau. Das 144-seitige Buch mit vielen Bildern enthält Blicke auf die Harzer Geschichte im Allgemeinen, und die der letzten 50Jahre in Sorge im Besonderen, inklusive auf 25Jahre deutsche Einheit. Und vielfach auch auf die Schönheiten des Harzes.

"Die sommerliche Wärme, der Geruch von Holz und Tannennadeln, die ewige Melodie des leisen Windes in den hohen Baumkronen haben mich eingewiegt und die Gegenwart um mich her versinken lassen. Wie im Traume höre ich das langsam näher kommende Rollen schwerer Räder, das Stampfen und Wiehern von Pferden, Peitschenknallen und die Zurufe von Fuhrleuten", schreibt Helmut Vogel im Vorwort.

Er ist der Sohn des letzten Sorger Hüttenbesitzers und schreibt das Buch 1963 auf Bitten seiner Söhne Friedrich und Johannes. In den Wirren der Enteignung der Familie Vogel und der Umsiedlung Richtung Westen verschwindet das Manuskript jedoch in der Schublade. 2013, genau 50Jahre später, holt es der in Bayern lebende Friedrich Vogel, selbst Autor, wieder ans Licht und stellt es nach umfangreicher Überarbeitung mit vielen Gesprächen vor Ort der Öffentlichkeit vor.

Darin erzählt Helmut Vogel von unbeschwerten Kindheitstagen in Sorge, von Freuden und Nöten der Menschen, der Arbeitswelt, Bräuchen, Sagen und Festen. Ebenso von der Bürde des väterlichen Hüttenbetriebes und der damals neuen deutsch-deutschen Grenze.

"Wenn ich an der Bode stehe, die wie früher in vielen Windungen über die Felsen und Steine ihres Bettes dahin rauscht, die aber nun zu einer unübersteigbaren Grenze geworden ist", so Vogel im Vorwort an seine Söhne, "wenn ich die Wiesen sehe, die ich vor einigen Jahren noch mit eigener Hand gemäht habe, dann taucht für mich aus der Erinnerung doch noch eine ganz andere Zeit auf, als Ihr sie gekannt habt..."

Vorgestellt wird das Buch bei Lesungen in Benneckenstein am Mittwoch, 16.April, in der Gaststätte Hexenhaus und in Wernigerode am Dienstag, 22.April, in der Kemenate des Kunstvereins. Dass es dabei neue freundliche Kontakte geben wird, gilt als sicher. Beginn der Lesungen ist um 19.30Uhr.