Mit der Bitte, das Wild nicht durch Querfeldeinlaufen im Walde zusätzlich zu beunruhigen, wendet sich ein Hassfelder Jäger an die Öffentlichkeit. Er verweist auf die geltende Notzeit und füttert selbst jeden Tag im Wald. Wer auch mithelfen will sollte auf die richtige Wildkost achten.

Hasselfelde. "Wenn Notzeit ist, schießen wir kein Wild, sondern füttern es", sagt Karl-Heinz Ahrens. Und es ist Notzeit. Angeordnet von den Revierinhabern kurz vor Weihnachten, weil die Tiere des Waldes mit dem teilweise extremen Winterwetter zu kämpfen haben und Schonung sowie Futter brauchen.

Deshalb auch kommt Jagdpächter Ahrens an diesem Mittwochmorgen etwas aus der Puste. Der 65-jährige ist auf dem Weg in den Winterwald im Rotacker-Forst. Gemeinsam mit Ehefrau Käthe sowie dem Hasselfelder Wildfreund Heiko Hartlep bringt er Mais und Gerste, vor allem einen Sack Heu zu einer der Futterstellen in diesem Areal .

Der Weg ist etwas beschwerlich, es hat minus sechs Grad, aber die winterliche Aussicht ist immer wieder schön, wie das Trio unbeirrt von Kälte und Schnee betont. Jeden Tag ziehen as ursprüngich aus Wolfenbüttel stammende Ehepaar Ahrens und Heiko Hartlep jetzt dick eingemummelt in den Wald, um den Tieren zu helfen.

"Man kann drauf warten, , bald nach uns sind die Tiere da, so groß ist er Hunger", berichtet Ahrens. Wildschweine, Rotwild, Hasen, Rehe – sie alle warten faktisch auf Futter fürs Überleben. "Da ist Hilfe von uns Menschen gefragt - und keine zusätzliche Beunruhigung und Belastung", sagt der Wildfachmann.

Er spielt damit auf das Querfeldeinlaufen von Skifahrern oder Wanderern mit Schlitten an. Dadurch würde das Wild aufgescheucht, müsste laufen, was Kraftreserven koste, die jetzt eigentlich zum Überleben nötig seien. "Deshalb bitte auf den Wegen und in den gespurten Loipen bleiben!", appelliert Ahrens: "Nicht in die Rückewege gehen oder gar bis an die Futterstellen."

Etliche Zeitgenossen, das zeigen Spuren im Schnee, halten sich nicht daran, aus Dreistigkeit oder Unwissenheit. "Viele wissen zum Beispiel nicht, dass in der nun geltenden Notzeit Hunde auch im Wald an der Leine zu führen sind, um kein Wild aufzuscheuchen", erläutert Karl-Heinz Ahrens. Oft werde dagegen verstoßen, obwohl sich Hundebesitzer doch sonst immer gern als Tierfreunde sähen.

"Und was offenbar auch mancher nicht weiß", so der Jagdpächter weiter: "Wildtiere fressen weder Kuchen noch Küchenabfälle." Diese fand er nämlich an einer der Futterstellen. Waffeln, ungenießbare Möhrenstücke, Brötchen, Toastbrot, sogar Schwarzwälder Kirschtorte, zermanscht, war hingworfen worden.

"Das frisst doch kein Tier", kann Karl-Heinz Ahrens nur den Kopf schütteln - und den Unrat entsorgen. Essensreste zu füttern ist selbst in der Notzeit verboten.

Und an den ebenfalls hingeworfenen Haselnüssen hätten sich etwa Rehe oder andere Tiere beim Zerknacken die Mäuler an den spitzen Schalen verletzen können, warnt Ahrens: "Nüsse sollten nur dort deponiert werden, wo sie sich ein Eichhörnchen holen kann."

Wenn jemand helfen möchte, die Tiere durch artgerechtes Füttern durch die Wald-Notzeit zu bringen, so Ahrens, dann sollten er oder sie sich an die Jagdpächter oder Forstleute in ihrer Region wenden. Hirsch, Hase, Reh, Schwarzkittel und die anderen Tiere würden es danken. Übrigens.

   

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