Harsleben l Ein undefinierbarer Gasgeruch hat Feuerwehrleute sowie Polizei und Rettungskräfte in der Nacht zum Mittwoch in Harsleben in Atem gehalten. Auslöser war laut Feuerwehr jener ätzende und üble Gestank, der einen Anwohner gegen 22.15 Uhr zum Anruf in der Leitstelle veranlast hatte. Weil zunächst völlig unklar war, welche Substanz den Gestank verursacht, wurden vorsorglich auch Rettungskräfte an die Einsatzstelle beordert. Zudem zog die Harslebener Feuerwehr den Chef des Halberstädter ABC-Trupps als Experten hinzu.

Um auf Nummer sicher zu gehen und jegliche Gefahren für Anwohner auszuschließen, sperrten Feuerwehr und Polizei zunächst die gesamte Bleichstraße ab. Letztlich konnten die Einsatzkräfte aber schon bald Entwarnung geben: "Ein Anwohner berichtete uns davon, dass er versehentlich eine ihm unbekannte Flüssigkeit im Bereich des Gehweges verschüttet habe", berichtete der Einsatzleiter der Harslebener Feuerwehr, Frank Ziegler. "Vermutlich handelte es sich bei der Substanz um ein altes Desinfektionsmittel, sehr wahrscheinlich um Formaldehyd", so Ziegler.

Diese Vermutung sei vor Ort aufgrund eines penetranten Formalingestanks untermauert worden. Dieser sei, wie vom Verursacher berichtet, tatsächlich nur im Bereich des Gehwegs und auf angrenzenden Flächen wahrgenommen worden, so Einsatzleiter Ziegler. Ein Verdacht, der schließlich mithilfe von ABC-Truppleiter Florian Lohmann bestätigt worden sei. Um die übel riechende Substanz zu binden und soweit wie möglich zu verdünnen, sei der Gehwegbereich schließlich mit rund 500 Liter Wasser gespült worden.

Formaldehyd (Formalin) wird in der chemischen Industrie vielfältig eingesetzt und ist Ausgangsstoff für zahlreiche chemische Verbindungen. Im Alltag findet sich Formalin heute unter anderem in Klebstoffen und Bindemitteln sowie in Konservierungsstoffen, beispielsweise in der Kosmetikindustrie. In höherer Dosierung und bei Langzeiteinwirkung ist Formaldehyd als krebserregend eingestuft. Aufgrund der keimabtötenden Wirkung wurde Formalin in der Vergangenheit oft auch als Desinfektionsmittel verwendet.

Womöglich findet sich hier auch die Ursache für den nächtlichen Zwischenfall in Harsleben. "Der Anwohner hat uns gegenüber erklärt, dass er eine alte, unbeschriftete Flasche aus DDR-Zeiten mit unbekanntem Inhalt zwecks Entsorgung zum Wertstoffhof bringen wollte", sagte Frank Ziegler. Bereits am Nachmittag sei dem Mann - laut Polizei ein 33-jähriger Anwohner - die Flasche auf den Gehwegs gefallen und zerbrochen, so ein Polizeisprecher.

Warum Feuerwehr und Rettungskräfte erst Stunden später alarmiert wurden, bleibt unklar. Womöglich hoffte der Mann darauf, dass sich der Gestank von selbst verflüchtigt. Unklar ist jedoch auch, warum er mit der undefinierbaren Flüssigkeit zum Wertstoffhof wollte. Chemikalien und unbekannte Flüssigkeiten müssen im Regelfall über das Schadstoffmobil oder spezielle Sammelstellen der fachgerechten Entsorgung zugeführt werden. Nach Volksstimme-Informationen werden sie auf Wertstoffhöfen nicht angenommen. Obendrein soll der 33-Jährige auch keinerlei Entsorgungsnachweise für die Chemikalie besessen haben.

Nach Angaben von Frank Ziegler war die Feuerwehr Harsleben bis etwa 23.30 Uhr mit acht Einsatzkräften vor Ort. Hinzu kommen zwei Streifenwagen der Polizei, ein Krankenwagen und der ABC-Truppleiter aus Halberstadt. Nach Angaben eines Polizeisprechers gibt es keinen Anlass für weitere Ermittlungen. Ob dem 33-jährigen Mann die Kosten für den Einsatz der Feuerwehr in Rechnung gestellt werden, ist dem Vernehmen nach noch offen.