Blankenburg. Von berühmten Söhnen der Stadt wie Robert Koldewey, der Babylon mit ausgegraben hat, von der sehr frühen elektrischen Straßenbeleuchtung in Blankenburg oder auch von der bewegten Geschichte der Bewohner des Großen Schlosses hat Cem Özdemir am Donnerstag erfahren. Als Stadtführer für den Bundeschef der Bündnisgrünen und seine kleine Delegation hat sich mit Hanns-Michael Noll auch der CDU-Bürgermeister betätigt.

Im Rathaus bekennt der Christdemokrat, im Stadtrat sehr gut mit Bündnis 90/Die Grünen zusammenzuarbeiten. Mehr noch, speziell zu Ulrich-Karl Engel pflege er "ein inhaltlich sehr gutes Verhältnis". Noll belässt es übrigens nicht dabei, sein kurzes Grußwort zu halten und danach die Grünen unter sich zu lassen. Der Stadtchef verfolgt stattdessen interessiert die knapp 90-minütige Diskussion zu Themen wie Atomausstieg, dem Nein zur A 14-Nordverlängerung und der Kritik an der schwarz-gelben Bundesregierung …

Özdemir (einen schwarzen Pullover und grünen Schal tragend) lobt dann seinerseits den herzlichen Empfang und auch den Fahnenschmuck im Rathaus – bestehend aus Deutschland- und der Blankenburg-Fahne. Der frühere Abgeordnete des Europaparlaments sagt, auch eine Europafahne stünde dem Raum ebenso gut zu Gesicht – vielleicht als kleine Neujahrsgabe seiner Partei an den Bürgermeister. Der Grünenchef gibt Noll mit seiner Kritik an der zu geringen Finanzausstattung der Städte und Dörfer Recht: "Wenn ein Bürgermeister nur noch Insolvenzverwalter einer klammen Kommune sein kann, dann wird dringend benötigtes Engagement in der Kommunalpolitik nicht attraktiver."

Es sei den Kontakten des bündnisgrünen Kreisvorsitzenden Ulrich-Karl Engel zu verdanken, dass Cem Özdemir am Dreikönigstag in Blankenburg Station gemacht hat, heißt es. Ursprünglich hatte der Politiker lediglich einen Besuch auf dem Brocken geplant. Spaßig erklärt er sein Reiseziel (mit Besuchen der Wetterwarte und des Brockenhauses) damit, seine Tochter schwärme gerade für "Bibi Blocksberg."

"Extra-Wurst" für den Bundesvorsitzenden

Spätestens als Özdemir in Schierke von HSB-Chef Matthias Wagener erfährt, dass auf dem Blocksberg die Rockoper "Faust" mit klassischen Texten und modernen Tönen aufgeführt werde, kündigt er an: "Ich werde wiederkommen und auf den Brocken gehen. Am besten mit der ganzen Familie, damit wir alle dieses Erlebnis genießen können."

Beim Brockenwirt genießt der prominente Politiker eine Sonderbehandlung. Während sich alle am Kuchen laben, gibt es für ihn einen mächtigen Gemüse-Kartoffel-Teller. Grund dafür ist, dass Özdemir die leckere Wurstsoljanka verschmähte, stattdessen seinen Hunger mit Schokolade und einer geschenkten Vollkorn-Käse-Schnitte zu stillen versuchte. Die Harzer Parteifreunde hatten vergessen, dass ihr Bundesvorsitzender vegetarische Kost bevorzugt.

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