Das Verschwinden einiger Bäume aus der Müntzerstraße in Hasselfelde ist aufgeklärt. Anwohner sind trotzdem traurig. Im Herbst soll das Areal neu gestaltet, aber vorher besser begutachtet werden.

Hasselfelde l Jörg Peter Becker versteht die Welt nicht mehr. Als er und sein Team aus seinem Bestattungsbüro auf die Thomas-Müntzer-Straße schauen, sehen sie frisch abgesägte Baumstümpfe. Dort, wo stattliche Blautannen standen.

"Anwohner haben sie gepflanzt, oft auch gepflegt, und nun sind sie einfach abgeholzt worden", schimpft Becker. Sein ganzes Team ist traurig über den Verlust der Bäume. Auch, weil der Sichtschutz zu Altbauten und zur Baustelle für das neue Hasselfelder Altenpflegeheim quasi nun ausgedünnt worden ist. Einige Bäume stehen noch. "Wer weiß, wie lange", argwöhnt Becker.

Die Fällaktion sei mit der Stadtverwaltung abgestimmt gewesen, aber nicht so, wie Torsten Klopstock vom Oberharz-Ordnungsamt auf Volksstimme-Nachfrage sagte. "Wir planen, dieses der Stadt gehörende Areal besser zu gestalten, dazu sollten einige Bäume entnommen werden", erklärt Klopstock. Das große Aber dabei: Die Baum-Entnahme sollte nach Absprache mit Anwohnern und bis Ende Februar erfolgen. Beides ging daneben.

Denn die Anwohner der Straße waren sich keineswegs einig. Während einige die etwa 20 Jahre alten Tannenbäume behalten wollten, waren andere fürs Fällen. Wieder andere sollen sogar am Holz der Bäume interessiert gewesen sein. Das Ganze Hin und Her schleppte sich hin, die Frist fürs Fällen (28. Februar) verstrich.

Dann rückte das Osterfeuer heran. Keiner wusste mehr richtig Bescheid, aber einige fassten beherzt zu. So kam es, wie es nicht kommen sollte. Ruck, zuck waren fünf, sechs beinstarke Bäume weg. Dann widersetzten sich Anwohner. Den Baumfällern war die Sache nicht mehr geheuer. Die illegale Aktion wurde abgebrochen. "Doch die schönen Bäume sind unwiederbringlich weg!", klagt Jörg-Peter Becker. Etwas die Straße hinunter wachsen sogar viele Bäume auf einem Fleck, da müsste wirklich ausgedünnt werden, so Becker.

Das ist weiter geplant. "Für das Areal ist und bleibt die Stadt zuständig. Es wird neu gestaltet, aber nun erst im Herbst", kündigt Klopstock an. "Bäume dürfen erst ab 30. Oktober wieder gefällt werden."

Bis dahin sollen die Fläche begutachtet und auch eine Begehung organisiert werden. Daran könnten Anwohner teilnehmen, ihre Meinung zur Gestaltung des Stadtareals einbringen. Wer Hinweise geben will, welcher Baum nach Möglichkeit stehen bleiben sollte, so Klopstock, könne sich auch an den Baumschutzbeauftragten Rainer Wernicke wenden.