Die Bautätigkeit ist in Wernigerode kontinuierlich fortgesetzt worden. Mit kommunalem und vor allem privatem Engagement ist es gelungen, sieben "Problemfälle" auf einen Schlag zu lösen. Für Baudezernent Burkhard Rudo Grund genug, mit Freude auf 2010 zurückzublicken und in die Zukunft zu schauen.

Wernigerode. "Es ist wahrlich viel passiert", sagt Burkhard Rudo im Volksstimme-Gespräch. Der Baudezernent sei auf das städtische und vor allem private Engagement sehr stolz und dankbar zugleich. Wohlwissend: "Das Konzept kann noch so gut sein, trotzdem ist es verdammt schwer, Geld zu bekommen."

Ob nun Glück, Geschick oder ein guter Leumund: Der Verwaltung und Privateigentümern ist es mit ihren Investitionen gelungen, dass mit einem Schlag sieben Problemfälle in Wernigerodes Innenstadt gelöst werden konnten. Dauerbrenner, wie Burkhard Rudo sie auch nennt, "die uns schon seit Jahren auf der Seele gelegen haben". Dazu gehört das erste Haus am Platz, dessen Dach nun komplett neu eingedeckt ist. Gleichzeitig hat man den bei den Bauarbeiten entdeckten Schwamm, "der sich über Jahrzehnte ausgebreitet hatte", beseitigen können.

Die Renovierung im Inneren des Rathauses ist ebenfalls fortgesetzt worden. "In voller Schönheit erstrahlt nun wieder der Zugang zur Ratswaage." Laut Rudo sei dieser Raum einst als Trauzimmer genutzt worden, bevor 1912 der Hochzeitserker angebaut wurde.

Gleich hinter dem Rathaus die nächsten "Lichter": der originalgetreue Nachbau des Hotels "Wiener Hof" samt Sanierung des dem Verfall preisgegebenen Wohnhauses. "Der Schandfleck ist endlich weg", sagt Rudo. Gleiches ist am Oberpfarrkirchhof 2 und 3 zu erwarten. Nach langem Ringen sei es gelungen, die städtischen Häuser an eine Familie zu verkaufen, "die es ausgezeichnet versteht, sie vorbildlich zu sanieren". "Wohnen im Denkmal" betitele sie ihr Vorhaben, das in diesem Jahr abgeschlossen werden soll.

<6>In unmittelbarer Nachbarschaft investiert die Stadt viel Kraft und Geld, dem "Schiefen Haus" sein altes Erscheinungsbild wiederzugeben. "Sehr aufwändig sind alle Schäden repariert worden", weiß der Baudezernent. Auch, dass damit der Erhalt des historisch so wertvollen Gebäudes gesichert sei. "Die Statiker hatten schon Alarm geschlagen."

<7>Nach Jahrzehnte langem Bemühen um Investoren kann in der Altstadt auch ein weiterer kulturhistorisch bedeutender Komplex erhalten werden. Im Vorjahr hat die Stadt die Heidemühle und die angrenzende alte Vulkanisierwerkstatt verkauft. Zu Jahresbeginn ist der erste Mieter eingezogen, der nächste soll im März folgen. "Schön, dass der alten Getreidemühle wieder Leben eingehaucht wird."

Keine 20, aber mindestens zehn Jahre fristete das leerstehende Mehrfamilienwohnhaus in der Nöschenröder Straße 8 ein "sehr trostloses Dasein". Die Sanierung ist ein Beitrag zur Aufwertung des Stadtteils", lobt Rudo den "guten Streich". Ebensolche Beispiele, die zur Verschönerung der Stadt beitrugen, gebe es zahlreiche: "Ein aufmerksamer Stadtrundgang lohnt sich".

Ein letzter "Dauerbrenner" ist das ehemalige Reintex-Gelände – gewesen. "Die Altlast ist endlich verschwunden. Mit dem Bau des Parkplatzes hat der Eigentümer eine sinnvolle Nutzung erreicht", sagt Rudo. Er gibt sich zuversichtlich, dass mit dem Umbau des alten Werkstattgebäudes in Wohnungen an die einst so hässliche Industriebrache in der Oberengengasse bald nichts mehr erinnern wird.

   

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