Halberstadt l Die zweite Halbzeit für den Ausbildungstellenmarkt läuft. Dieser zeige sich weiter stabil, erklärte Heike Schittko bei der Vorstellung der jüngsten Zahlen. Demnach sei Angebot und Nachfrage rein rechnerisch fast ausgeglichen. Das bedeute nach Angaben von Halberstadts Agenturchefin 0,93 Lehrstellen je Bewerber. Bisher seien 1052 Plätze bereitgestellt worden - einer weniger als im Vorjahr.

Seit Oktober 2013 hätten sich 1131 Jugendliche dafür gemeldet, 58 (+5,4 Prozent) mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. 522 Interessenten (46,2 Prozent) seien allerdings erneut am Start, da sie ihre Schulausbildung bereits in den Vorjahren beendet hatten. Heike Schittko: "Bei der Zahl der Schulabgänger haben wir mittlerweile den Tiefpunkt überschritten." Insgesamt werde es aber auf absehbare Zeit bei dem niedrigen Niveau bleiben.

Deshalb sei es wichtig, die Mädchen und Jungen noch mehr für Angebote vor Ort zu begeistern. Die Vorsitzende der Geschäftsführung: "So muss sicherlich die eine oder andere Branche beziehungsweise müssen einzelne Unternehmen ihre Anreize für die Ausbildungsplätze spürbar erhöhen und frühzeitiger bei Schülern für sich werben."

Der Wettbewerb um den besten Nachwuchs sei bereits in vollem Gange. Nur wer seine Firma, die Berufe und die daraus resultierenden Perspektiven besser präsentiere, dem gelinge es auch, die künftigen Fachkräfte rechtzeitig an sich zu binden. Die Agenturchefin: "Deshalb appelliere ich an alle Unternehmen: Lassen Sie bei der Auswahl nicht zu viel Zeit verstreichen."

Sicherlich würden viele Arbeitgeber auch wegen der geringen Zahl an Bewerbern gezwungen sein, bei ihren Anforderungen Zugeständnisse zu machen. Heike Schittko: "Ich denke aber, dass wir es uns nicht leisten können, bestimmte Personengruppen bei der Auswahl auszuschließen."

Beim Blick auf die Zahlen ist das laut Heike Schittko "theoretisch alles kein Problem, aber praktisch". So sei zu konstatieren, dass Betriebe "sehr zögerlich in ihren Zusagen sind". Andere Firmen hätten bislang keine oder nur sehr wenige Bewerber gesehen. Momentan sei zudem ein Anstieg bei denjenigen zu verzeichnen, die statt eine Lehre aufzunehmen, lieber an die Berufsbildenden Schulen wechseln. Noch dramatischer sei allerdings der Umstand, dass Jugendliche aus einer großen Zahl an Zusagen wählen könnten, sich aber nicht entscheiden wollen. Dabei sei es ein Gebot der Fairness, sich zu einem Unternehmen zu bekennen.

Ein weiterer Aspekt liege in der Ortsnähe begründet. Hier sei zunehmend die Erwartungshaltung zu registrieren, dass der Ausbildungsplatz "am besten vor der Haustür ist". Dabei seien es meist die Eltern, "die den Blick innerhalb der Stadtgrenzen richten".

Diese Entwicklung insgesamt lasse sich belegen. So gebe es derzeit bei der Drucktechnik vier offene Stellen pro Bewerber, bei Klempner/Sanitär sogar sieben. In der Gastronomie könnten hingegen seit Jahren die verfügbaren Stellen nicht besetzt werden. Heike Schittko sieht angesichts der jetzigen Situation Arbeitgeber und künftige Lehrlinge in der Pflicht. Sie sagt: "Es ist ein Aufwachen auf beiden Seiten nötig."