Wernigerode l Der neugestaltete Platz am Wernigeröder Klint soll mit Granitsteinen aus China gepflastert werden. Die Erinnerung an den Baupfusch am Nicolaiplatz ist noch bei vielen Wernigerödern präsent. "Ich verstehe nicht, warum für diese zentrale Fläche nicht Material aus dem Harz verwendet wird", fragt beispielsweise Matthias Winkelmann am Lesertelefon.

In den Steinbrüchen "Knaupsholz" bei Drei Annen Hohne und "Kleiner Birkenkopf" an der Bielsteinchaussee wird Granit abgebaut. Die blaugrauen Steine aus dem "Birkenkopf"-Steinbruch wurden in Schierke für die Stützmauer an der Sandbrinkstraße verwendet. "Man hätte auch bei der Blumenuhr auf Material aus dem Harz setzen sollen, das hat Tradition", so Winkelmann.

"Es stimmt, am Klint wird Granit aus China verwendet", bestätigt Bauleiterin Gerlinde Brammer gegenüber der Volksstimme. "Fast alle Plätze werden mit Granit aus China gepflastert." Als Beispiele nennt sie den Quedlinburger Markt und den Platz vor der Marktkirche Clausthal-Zellerfeld.

Wie Kai Bleßmann vom Tiefbauamt erläutert, schreibt die Stadtverwaltung zunächst das Material aus. "Der Anbieter mit dem wirtschaftlichsten Angebot erhält den Zuschlag." Der preiswerteste Granit stamme meist aus Portugal oder China. "Obwohl die Steine einen so weiten Weg zurücklegen, sind sie günstiger als Granit aus Schierke." Spielt die Qualität bei der Auswahl der Baumaterialien gar keine Rolle? "China ist nicht gleich China", sagt Bleßmann. "Der Granit wird vor dem Einbau doppelt geprüft." Das beauftragte Unternehmen weise mit Prüfzertifikaten nach, dass die Steine der geforderten Qualität entsprechen. "Dann beauftragen wir ein Labor, das bei Frost-Tausalz-Versuchen die Beständigkeit testet." Dort werde die Druck-, Biegezug- und Abriebfestigkeit untersucht.

"Es gibt zwar auch hochwertigen Granit aus China", sagt der Wernigeröder Steintechniker Enrico Frieseke. An die Qualität des Granits aus dem Harz reiche die Ware aus Fernost aber nicht heran. "Granit aus Birkenholz ist frostsicher, hat eine deutlich höhere Dichte als chinesischer Stein, ist stabiler, rostfrei und liegt direkt vor unserer Haustür", so der Steinmetz. Der gesamte Berliner Hauptbahnhof sei mit dem Harzer Granit ausgestattet. Frieseke selbst greift im privaten Bereich aus Kostengründen auch auf Material aus China, Brasilien oder Indien zurück. "Aber ich weise die Kunden ausdrücklich darauf hin."

Auf so einem kleinen und repräsentablen Platz wie an der Blumenuhr wäre es seiner Meinung nach jedoch möglich gewesen, Harzer Granit zu verwenden. "Entlang der Sandbrinkstraße wurden die großen Harzer Granit-Blöcke verbaut. Aber was für Schierke gut und teuer ist, ist für Wernigerode anscheinend nicht drin."

Er kritisiert, dass viel Geld für Architekten, Zeichnungen und Beratungen da sei, aber am Material gespart werde. "Es wird knallhart das günstigste Angebot genommen." Frieseke: "Wir werden die Langzeitwirkungen sehen. Und wenn es zweimal gemacht werden muss, zahlen es wieder wir Steuerzahler."

Der Nico, Teichdamm, Markt- sowie Kanzlei- und die Breite Straße waren 2003 mit chinesischer Grauwacke gepflastert worden. Wenige Wochen später begannen die Steine zu bröckeln, dann platzten die obersten Schichten ab. Seit 2011 werden die Mosaiksteine komplett ausgewechselt. Bei einem Vergleich mit der Baufirma erhielt die Verwaltung 60000Euro, dennoch - dieselbe Summe musste für den Austausch aus dem Stadtsäckel bezahlt werden.