Wernigerode l Zwölf Männer arbeiten montags bis sonnabends von 7 bis 17 Uhr in der Nöschenröder Straße in Wernigerode. Sie haben ein festes Ziel vor Augen - und das heißt: Sachsen-Anhalt-Tag. "Mit Unbehagen sehe ich jeden Tag in der Volksstimme den Sachsen-Anhalt-Tag-Ticker", sagt der Polier Hartmut Bremer von einem Blankenburger Bauunternehmen.

Der Ticker (in dieser Ausgabe oben rechts) sei sein persönlicher Countdown, denn er zeigt an, wie viele Tage noch bis zum Landesfest bleiben. Bremer: "Bis zum 18. Juli müssen der oberste Teil der Burgstraße und der Kreuzungsbereich am Burgberg fertiggestellt sein." Festbesucher sollen sich schließlich nicht an der Baustelle stören.

Derzeit wird auf dem 250Meter langen Abschnitt zwischen Burgberg und Degener Straße für Ordnung im Erdreich gesorgt. Tief unter der Oberfläche sieht es relativ chaotisch aus, sagt Armin Barheine vom Wernigeröder Bauamt. Zig alte Leitungen und Rohrsysteme seien dort seit der Wende nebeneinander und übereinander verlegt worden.

Es sei bisher nicht möglich gewesen, die Leitungen zu ordnen. "Noch nie zuvor wurde in der Nöschenröder Straße unter Vollsperrung gebaut", erklärt Barheine. Trinkwasser-, Regenwasser-, Strom- und Gasleitungen, Straßenbeleuchtungs- und Datenkabel - trotz der Fülle an unterschiedlichen Rohren und Kabeln behält Armin Barheine den Überblick. "In etwa wussten wir, was uns im Erdreich erwartet. Allerdings sind die Bestandsunterlagen ungenau."

Derzeit wird die Talsperrenleitung ausgetauscht. Bisher hätten die Bauarbeiter bei dem komplizierten Wechsel der alten gegen die neue Leitung noch nichts beschädigt. "Das hätten wir gemerkt", sagt Barheine. "Immerhin sind 11bar Druck auf der Leitung, beim Talsperrenbetrieb braucht man etwa eine Stunde, um die Leitung zuzudrehen. Bis dahin steht der Nico unter Wasser."

Das gefürchtete Verkehrschaos sei derweil ausgeblieben. "Es ist eine sehr ruhige Baustelle", versichert Reinhold Schütze, Baubetreuer beim Landesstraßenbaubetrieb. "Es laufen keine Klagen auf."

Eine Enttäuschung gebe es dennoch. "Viele Bürger hatten sich schnelleres Internet gewünscht. Sie surfen hier mit minimaler Geschwindigkeit", berichtet Armin Barheine. "Ein Leerrohr für neue Datenleitungen ist sogar vorhanden. Aber leider erteilte uns die Telekom eine Absage, das Gebiet sei ausreichend versorgt." Bis Mitte August soll die Strecke bis zur Degener Straße fertiggestellt sein. Die Bauarbeiter setzen den Austausch der alten Leitungen dann bis zum Holfelder Platz fort. Schon im Dezember könnte dieser zweite große Abschnitt freigegeben werden.

Dann werden sich Passanten und Anwohner an einige Veränderungen gewöhnen müssen. So entfällt eine Bushaltestelle am Beginn der Nöschenröder Straße. Der Zebrastreifen auf Höhe der Bushaltestelle wird näher an die Kreuzung Burgberg/Nöschenröder Straße versetzt.

Radwege werden nicht eingerichtet, dafür gebe es nicht genügend Platz. Zehn Parknischen stehen nach Abschluss zur Verfügung. Die Gestaltung der Gehwege orientiert sich am Vorbild der oberen Burgstraße.