Das Versprechen, an der B 79 in Harsleben eine zweite Ampel für Fußgänger zu bauen, droht zu platzen. Da Lokalpolitiker und Behördenvertreter weiter Front gegen den von Verkehrs-Staatssekretär Rainer Bomba (CDU) versprochenen Übergang machen, hebt nun auch Bomba die Hände.

Harsleben/Berlin l Keine Frage: Rainer Bomba (CDU) ist richtiggehend sauer. Sauer über das, was seit Wochen und Monaten in Harsleben passiert. Nichts. Statt sein vor fast einem Jahr gegenüber einem kleinen Mädchen gegebenes Versprechen, mit einer zweiten Ampel die Querung der stark befahrenen B 79 sicherer zu machen, praktisch umzusetzen, formulierten die Verantwortlichen vor Ort immer neue Argumente gegen den Bau einer solchen Ampel. Deshalb hebt nun auch der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium reichlich zerknirscht die Hände: "Der gute Wille meinerseits war und ist weiterhin da. Wenn aber die Verantwortlichen vor Ort mit aller Macht gegen eine solche Überquerung sind, werde ich nicht gegen ihren Willen entscheiden", so Bomba zur Volksstimme.

Bombas Verstimmung ist Resultat eines Schreibens, das die Vorharzer Bürgermeisterin Ute Pesselt (WG Buko) und Harslebens Bürgermeister Holger Bauermeister (CDU) im März verfasst haben. Darin formulieren sie gegenüber Landesverkehrsminister Thomas Webel (CDU) ihre Zweifel am Nutzen. Bei einer Beratung vor Ort sei festgestellt worden, dass sich die Situation durch eine weitere Ampelanlage "eher kontraproduktiv auswirken würde". Zugleich erinnern Ute Pesselt und Holger Bauermeister Staatssekretär Bomba an den Bau der seit Jahren geforderten Ortsumfahrung. In diesem Projekt sehen die beiden Verfasser eine Schlüsselstellung: Sobald das Gros des Verkehrs an Harsleben vorbeirolle, werde es auch auf der B 79 in Harsleben sehr viel ruhiger sein, so der Tenor. Ergo für Pesselt und Bauermeister: Die Lösung liegt im Umsetzen des Neubaus. "Der Bürgermeister der Gemeinde Harsleben, Herr Holger Bauermeister, dokumentiert mit seiner Unterschrift auf diesem Schreiben, auch den Willen seiner Bürger", heißt es wörtlich.

Bomba selbst zeigt sich wenig erfreut über die Signale aus dem Harz: "Ich habe im Sommer 2013 vor Ort einen ganz anderen Eindruck gehabt. Aus meiner Sicht ist eine Ampel wichtig. Deshalb habe ich so entschieden und gegenüber dem kleinen Mädchen, das die Straße queren muss, um zum Spielplatz zu kommen, das Versprechen abgegeben", so der CDU-Politiker. Da binnen eines dreiviertel Jahres nichts passiert sei, tue ihm das Kind heute einfach nur leid.

Zugleich erteilte Rainer Bomba Hoffnungen vor Ort, den Bau der seit Jahren gewünschten Ortsumfahrung irgendwie beschleunigen zu können, eine Abfuhr: "Da gehört eine Umfahrung hin und die wird auch kommen, das ist unstrittig. Unklar ist aber, wann gebaut werden kann." Dies mit dem Verzicht auf eine Fußgängerampel beschleunigen zu wollen, sei ebenso unmöglich wie eine persönliche Einflussnahme. "Hier geht es um Planungsrecht und Genehmigungen - das ist ein ganz klar vorgeschriebenes Prozedere", so Bomba.

Obendrein haben es die Harslebener zumindest teilweise selbst in der Hand. Schon jetzt haben einige Einwohner, die gegen die favorisierte westliche Trassenführung sind, den Klageweg angekündigt.

Verwunderung ist angesichts dieser Entwicklung auch vor Ort unübersehbar: Erika und Siegfried Koch sowie Hartmut Hoffmann wohnen direkt an der B 79. Der Verkehr habe stark zugenommen, insbesondere am Morgen sowie in den Nachmittagsstunden könne die Straße kaum passiert werden. Deshalb votieren auch sie für einen zweite Ampel - zumindest bis zur Freigabe einer Ortsumfahrung.

Bürgermeister Bauermeister kündigte am Dienstag an, nun erstmals mit Rainer Bomba das direkte Gespräch zu suchen. Ein Schritt, auf den der Staatssekretär seit Monaten wartet: "An uns soll es nicht liegen - der gute Wille war da und er ist auch weiterhin da."