Stiege/Harzgerode l Wenn andere sich gemütlich auf das Sofa kuscheln und der Regen an die Fensterscheiben prasselt, dann packen Torsten Brehme und sein Sohn Torben ihre Fotoausrüstung ein und fahren los. Seit zehn Jahren widmet sich der Harzgeröder intensiv einem ungewöhnlichen Hobby: Er fotografiert Wetterphänomene.

Besonders Blitze haben es dem 47-Jährigen angetan. Rund 1000 hat er bereits mit der Kamera eingefangen. Doch der jüngste Treffer gelang seinem 15-jährigen Sohn an der B242 bei Stiege. Mit dem Auto sind die beiden dem Unwetter hinterher gefahren. "Zwischen Stiege und Hasselfelde gibt es eine Stelle, an der man eine gute Fernsicht hat", sagt Brehme.

Angst hat er nicht bei seinen Touren. "Viele fürchten sich vor Unwettern. Aber wir haben uns so belesen, dass wir das Risiko kalkulieren können", erklärt der Werbefachmann. Im Zweifelsfall bleibt er mit seinem Sohn im Wagen und fotografiert aus der geöffneten Heckklappe heraus. "Das Auto bietet einen sehr guten Schutz." Und wenn er Sicherheitsbedenken hat, dann bricht er die Tour ab und fährt nach Hause.

Einen Einschlag hat Brehme noch nie aus der Nähe beobachtet - wohl aber Blitze in ganz unterschiedlichen Erscheinungsformen. Da gibt es Wolkenblitze, Erdblitze und Mehrfachblitze. Manche können bis zu fünf Kilometer in der Breite messen, berichtet Torsten Brehme. "Die Dimension ist mitunter gewaltig."

Zusammen mit seinem Sohn Torben liest er laufend zum Thema, um die physikalische Seite von Unwettern zu verstehen. Im Internet sucht Torsten Brehme auf Wetterkarten auch nach anderen interessanten Phänomenen - Halos zum Beispiel, also atmosphärische Lichteffekte, die sich als Ring um die Sonne oder den Mond zeigen.

"Blitze sehen spektakulär aus. Aber nur wenige fotografieren sie."

Torsten Brehme

Torsten Brehmes Interesse war zunächst aber vor allem ästhetischer Natur. Seit 25 Jahren fotografiert er, legte sich im Lauf der Zeit eine immer professionellere Ausrüstung zu. "Irgendwann habe ich meinen ersten Blitz aus dem Dachfenster heraus fotografiert", sagt der Harzgeröder, der sich in der freiwilligen Feuerwehr seines Heimatortes engagiert. Da hat es ihn gepackt: "Blitze sehen spektakulär aus. Aber nur wenigen fotografieren sie."

Um die Blitze aufs Bild zu bannen, experimentiert er viel mit der Fototechnik und probiert unterschiedliche Einstellungen aus. "Es gehört aber auch viel Glück dazu", sagt der Wetterfotograf. Mit der Routine steigt allerdings die Trefferquote: War früher unter hundert Bildern ein gelungenes Blitz-Foto dabei, sind es inzwischen bereits zehn bis zwanzig.

Seine Aufnahmen waren bereits in verschiedenen Zeitungen und Fernsehsendungen zu sehen. Denn genauso wie über seine Fotos freut sich Torsten Brehme auch über die Rückmeldung der staunenden Betrachter seiner Werke.