Platzt der Verkauf des Kurzentrums in Bad Suderode oder wird der millionenschwere Deal noch zum Happyend gebracht? Während Quedlinburgs Oberbürgermeister längst die Rückabwicklung des Verkaufs anstrebt, gibt sich der Käufer weiter optimistisch.

Quedlinburg/Bad Suderode l Gibt es ein Happyend, einen weiteren Terminaufschub oder am Ende doch die große Pleite samt Neustart aller Verkaufsverhandlungen? Drei Optionen, die mit Blick auf das seit Monaten währende Tauziehen um den Verkauf des Kurzentrums in Bad Suderode denkbar sind. Während aktuell unklar ist, wohin die Reise geht, ist eines unverkennbar: Die Zeichen stehen auf Sturm.

Und damit nicht genug. Der Quedlinburger Oberbürgermeister Eberhard Brecht (SPD) strebt mittlerweile eine generelle Kurskorrektur an. Entnervt von der "Hinhaltetaktik des Käufers", der Berliner Pro-Habitare-Projektentwicklungsgesellschaft-AG, will sich Brecht noch vor der Kommunalwahl in Ortschafts- und Stadtrat das Ticket für eine Rückabwicklung des Kaufvertrags und neue Verkaufsverhandlungen holen.

Anders Joachim Marienburg vom Pro Habitare: Der Aufsichtsratschef des Unternehmens ist weiter bemüht, Optimismus zu verbreiten. Der Ankauf des Kurzentrum, lässt er wissen, platze natürlich nicht. Er plane bis zum Herbst 2016 den Umbau zu einem Gesundheitsresort und wolle 30 Millionen in die Sanierung und den Bau eines Hotels mit 150 Zimmern investieren. Die Vermarkung des Resorts erfolge mit einer österreichischen Hotelkette als Partner.

Die monatelangen Verzögerungen - die Unterstriften unter den Kaufverträgen leisteten Marienburg und Gert Sauer als Bürgermeister der damals eigenständigen Gemeinde Bad Suderode noch Ende vorigen Jahres - begründet Marienburg so: "Es gibt immer noch kein bereinigtes Grundbuch. Und damit liegen die Voraussetzungen für die Zahlung des Kaufpreises nicht vor."

"Die Verwaltung geht mit dem Vorschlag, den Verkauf rückabzuwickeln und neue Käufer zu suchen, in diese Sitzungen"

Eberhard Brecht (SPD), Quedlinburgs Oberbürgermeister

Jener Kaufpreis beläuft sich auf eine Millionen Euro. Hinzu kommen weitere rund 600 000 Euro, die Pro Habitare zu den Abfindungszahlungen für frühere Mitarbeiter zuschießt. Die am Grundstücksgeschäft beteiligten Notariate hätten signalisiert, dass im Mai die Voraussetzungen für die Kaufpreiszahlung wohl erfüllt würden. "Und dann wird das Geld auch fließen", versicherte Joachim Marienburg am Mittwoch gegenüber der Volksstimme.

Eine Ankündigung, auf die OB Brecht nach Monaten mit mehreren Ankündigungen und ergebnislos verstrichenen Terminzusagen nichts mehr gibt. Und: "Es geht vordergründig gar nicht um den Kaufpreis, sondern um die Verpflichtungen des Käufers vorab", so der SPD-Politiker. Die Käufer hätten laut Vertrag unverzüglich nach Unterzeichnung eine selbstschuldnerische Bankbürgschaft vorlegen müssen. Ferner sei eine Vereinbarung, mit der die finanzielle Beteiligung am Abfindungspaket juristisch festgezurrt wird, nötig. Beides, sagt Brecht, liege bislang nicht vor.

Was wiederum Marienburg bestreitet: Bei einem Treffen Ende April sei ein Banknachweis über die finanzielle Liquidität von Pro Habitare an OB Brecht übergeben worden. Stimmt nicht, kontert Brecht. Dabei habe es sich lediglich um eine erneute Ankündigung von Pro Habitare, nun bald zahlen zu wollen, gehandelt.

Brecht will das heiße Eisen Kurzentrum nun von Stadt- und Ortschafträten weiterschmieden lassen. Er strebe am 19. und 20. Mai Sitzungen an. "Die Verwaltung geht mit dem Vorschlag, den Verkauf rückabzuwickeln und neue Interessenten zu suchen, in diese Sitzungen", so der SPD-Politiker.

Ob die Räte Brecht dazu legitimieren, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall sitzt Brecht die Zeit im Nacken: Nach der Kommunalwahl am 25. Mai könnte es bis zum Herbst dauern, bis die neuen Ratsgremien arbeitsfähig sind.