"Wernigerode in Jahreszahlen" - diese Internetseite sorgt derzeit für Furore. Hinter dem Projekt stehen Wolfgang und Alexander Grothe sowie Thomas Hartmann, die mit ihrer Website vor allem junge Leute mit ihrer Leidenschaft für Geschichte anstecken wollen.

Wernigerode l Wussten Sie, dass 1705 in der Nähe des Brockens der letzte freilebende Bär der Region erlegt wurde? Dass Haus Gadenstedt 1884 abgerissen werden sollte? Dass der berühmte Reformator Martin Luther 1517 Kloster Himmelpforte besuchte? Die Geschichte einer Stadt birgt nicht nur Fakten, sondern auch jede Menge Überraschungen und Kuriositäten.

Das beweist die Internetseite www.wernigerode-in-jahreszahlen-de. Mehr als 5000 Interessierte klickten die Website in den letzten vier Wochen an - nicht nur in Wernigerode und im Harz, sondern auf der ganzen Welt. Hinter diesem Projekt stehen drei Männer: Wolfgang und Alexander Grothe sowie Thomas Hartmann.

"Geschichte hat mich schon immer fasziniert", sagt Wolfgang Grothe, der die meisten Fakten für die Website zusammengetragen hat. "Ich habe Anfang der 1990er Jahre damit angefangen, ganz klein, damals hatte ich vom Internet noch nie was gehört." Zu der Zeit war Grothe als Dozent für die Ländliche Erwachsenenbildung tätig. Zu seiner Arbeit gehörte auch die Ausbildung von Gästeführern. "Für sie habe ich auf zwei bis drei Seiten die wichtigsten Zahlen aus Wernigerodes Stadtgeschichte zusammengestellt."

Im Laufe der Jahre wuchs die Faktensammlung. "Immer, wenn ich etwas Neues entdeckte, ergänzte ich sie", erinnert sich Grothe. Dafür habe er alle "möglichen und unmöglichen" Quellen genutzt. Der Rentner recherchierte im Harzmuseum, im Stadtarchiv, in den Werken bekannter Ortschronisten, bei der Stadtverwaltung sowie in der Mahn- und Gedenkstätte.

Bis sein Material auf einmal 60 Seiten umfasste. "Ich kam auf die Idee, das Ganze privat drucken zu lassen - für Freunde und Bekannte als Geschenk." Dass er selbst mit seinen "Jahreszahlen" überrascht werden würde, habe er damals nicht geahnt.

Sohn Alexander kam auf die Idee, die gesammelten Daten für das Internet bearbeiten zu lassen. Heimlich entwickelte er mit Webdesigner Thomas Hartmann eine Website, die er im vergangenen Jahr zum 75. Geburtstag seines Vaters freischaltete. "Ein ganz besonderes Geschenk", sagt Wolfgang Grothe. "Viel wertvoller als materielle Dinge."

Wolfgang und Alexander Grothe sind längst nicht mehr die einzigen Autoren. Auch andere geschichtsinteressierte Wernigeröder haben Beiträge hinzugefügt. Neue Helfer und Bildmaterial sind stets willkommen. Aktuell umfasst die Internetseite 1787 Einträge und 499 Jahreszahlen von elf Autoren mit 548 Bildern. "Und sie wächst weiter", sagt Wolfgang Grothe erfreut. "Täglich kommen neue Einträge hinzu." Wichtig sei ihm und seinen Mitstreitern, die historischen Ereignisse nicht zu bewerten und zu beurteilen, sondern lediglich die Fakten zu liefern. "Unsere Leser sollen sich ihre eigene Meinung dazu bilden. Ich will ihnen nichts vorgeben. Es gibt nicht nur die eine Wahrheit."

"Wernigerode in Jahreszahlen" gibt es seit einigen Wochen auch als mobile Version fürs Handy und als Auftritt in sozialen Netzwerken. "Unser Ziel ist es, damit die Facebook-Generation, also Leute zwischen 20 und 35 Jahren, zu erreichen und sie mit unserer Leidenschaft für Geschichte anzustecken", sagt Alexander Grothe. Mit Erfolg: Inzwischen greifen 50 Prozent der Nutzer mit dem Smartphone auf die Website zu.

@066n TwitterCo.:Die Initiatoren von "Wernigerode in Jahreszahlen" stellen ihr Projekt am Montag, 26. Mai, um 19 Uhr beim Heimat- und Geschichtsverein in der Ratswaage des Wernigeröder Rathauses vor. Alle Interessierten sind dazu herzlich willkommen. Infos gibt es auch unter www.wernigerode-in-jahreszahlen.de.