Musiker, Tänzer und Schauspieler aus dem Harzkreis haben ein Musical entwickelt. Die erste gemeinsame Übungsstunde ist auch gleich die Generalprobe - bis dahin wird per Mausklick trainiert.

Wernigerode l Schüchtern? Das war einmal! Lampenfieber merkt Magdalena Graf zumindest niemand an, als sie in die Titel-Rolle des Musicals "Sandy" schlüpft. Obwohl sich die 17-Jährige schon lange für Schauspiel interessiert, hätte sie nie gedacht, dass sie mal vor mehr als 1000 Zuschauern eine Hauptrolle spielt. "Ich habe einfach vorgesprochen, aber dachte, dass es nur für eine Nebenrolle reicht. Deshalb hat es mich kaum Überwindung gekostet", verrät die Schülerin, die trotzdem keine Karriere im Rampenlicht anstrebt.

Mit ihrer Darbietung beim Casting überrascht sie auch ihre Lehrerin Gabi Grützenmacher. "Bis dahin war sie so unauffällig, hat kaum ein Wort gesagt", berichtet die Leiterin der Theatergruppe des Wernigeröder Stadtfeldgymnasiums. Das Selbstbewusstsein, das Magdalena Graf für die Rolle entwickelt hat, schlage sich auch im Unterricht wieder. "Sie ist nun viel aufgeweckter und meldet sich häufiger", sagt Gabi Grützenmacher erstaunt.

Wie im wahren Leben, steht auch Magdalena Grafs Musical-Rolle eine Veränderung bevor. "Sandy" ist eine Anlehnung an den Film "Grease", der 1978 mit John Travolta und Olivia Newton-John über die Leinwände flimmerte. Der Soundtrack ist bis heute bekannt.

Die Themen, die im Film behandelt werden, haben fast 40 Jahre später nichts an Aktualität verloren: Liebe, Missverständnisse, Rivalitäten zwischen Cliquen, Generationskonflikte, ungewollte Schwangerschaften. "Wir haben das Stück um moderne Aspekte ergänzt", erläutert Gabi Grützenmacher. Mit ihrer Theatergruppe schrieb sie den Text in typischen Formulierungen von heute um. Vorarbeit hat dafür Claudia Schicker geleistet. "Auch Twitter und Facebook, Drogen und Klischees der typischen Mann-Frau-Rollenbilder sind Themen", sagt die Deutsch- und Sozialkundelehrerin.

Seit gut einem Jahr laufen die Vorbereitungen für das Musical: Rollen werden verteilt, Termine koordiniert, Bühnenbilder gestaltet, Sponsoren gewonnen, Lederjacken sowie Petticoats in Anlehnung an die Filmkleidung besorgt, es wird getanzt, geübt, gestimmt und Absprachen werden getroffen.

Die gut 150 Darsteller unter einen Hut zu bekommen, ist eine Herausforderung. Beteiligt sind vom Stadtfeld-Gymnasium Wernigerode die Theatergruppe, der Chor "Nova Cantica", geleitet von Susanne Ristau, der kleine Chor unter Leitung von Kerstin Pfützner und die Schulband "Schlüsselnoten" um Musiklehrer Christoph Schmidt. Bands und Solisten der Musikschule Schicker aus Halberstadt, Blankenburg und Wernigerode geben den Ton an. Für Tänze und akrobatische Einlagen sorgen Sekundarschülerinnen aus Dardesheim unter Federführung von Mandy Hemme und Annerose Heidecke, Tänzer des TSV Berßel unter Leitung von Kerstin Proske und die Cheerleader der "Dymatix" aus Wernigerode. "Sie führen einige Tänze gemeinsam auf", berichtet Thomas Schicker. "Damit sie die Choreografien üben können, ohne am selben Ort sein zu müssen, hat eine Gruppe ihr Training gefilmt und bei Youtube hochgeladen." Die erste reale Probe, die alle Beteiligten gemeinsam hatten, ist dann die Generalprobe gewesen, erläutert Schicker.

Der Musiker ist der Gesamtleiter des Projekts. "Aber wir haben die Aufgaben aufgeteilt, das wäre sonst nicht zu stemmen gewesen", erläutert er. Unterstützung gab es unter anderem von Mitgliedern des Vereins Rainbow-Music sowie eine Förderung über 3000 Euro von der Liz-Mohn-Kultur- und Musikstiftung.

Nur zweimal ist "Sandy" zu sehen gewesen - in der vergangenen Woche in der fast restlos ausverkauften Stadtfeldhalle Wernigerode. "Aber bei dem ganzen Aufwand wäre es toll, wenn wir öfter auftreten würden", betont Paula Appelt. Die 14-Jährige ergänzt: "Es macht Spaß, weil man so viel in seine Rolle ´reininterpretieren kann."

   

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