Drei Schlösser und fünf Rathäuser auf engstem Raum - das gibt es nur im Miniaturenpark "Kleiner Harz" in Wernigerode. Vertreter aus Herzberg und Quedlinburg haben am Dienstag die zwei neuesten Modelle eingeweiht - und gestanden, dass eine bestimmte Miniatur sogar noch schöner als ihr reales Vorbild ist.

Wernigerode l "Der Harz hat so viel zu bieten", ist Bürgerpark-Chefin Marlies Ameling überzeugt. Der Beweis für die kulturelle Vielfalt der Region steht im Miniaturenpark "Kleiner Harz": Weit über 60Sehenswürdigkeiten können die Besucher im Maßstab 1:25 auf dem Areal am Wernigeröder Dornbergsweg entdecken.

Seit Dienstag sind es noch zwei bedeutende architektonische Werke mehr: Das Quedlinburger Rathaus und das Schloss Herzberg ergänzen ab sofort die Ausstellung. Herzbergs Bürgermeister Gerhard Walter und Wolfgang Zeiss vom Förderverein Schloss Herzberg gehören zu den ersten, die einen Blick auf das imposante Schloss-Modell werfen dürfen.

Vier Jahre Arbeit haben die Mitarbeiter der Oskar-Kämmer-Schule in ihr fünf mal fünf Meter großes Werk investiert. Besonders der Innenhof mit filigranen Details wie den Wasserspeiern aus Kupferblech und barocken Figuren beeindruckt die Gäste, die das Original gut kennen. "Ich bin begeistert", sagt Gerhard Walter. "Dass der Miniaturenpark so eine tolle Anlage ist mit so viel Liebe zum Detail, das hätte ich nicht erwartet", gesteht er. "Wir wären froh, wenn das echte Schloss so schön wäre wie das Modell."

Denn das Original sei stark baufällig. Der Schwamm sitzt im Holz, der Turm müsse mit einer Plane abgedeckt werden, damit abgebrochene Bauteile nicht in den Hof stürzen. Dennoch sei das Tausend Jahre alte Welfenschloss mit 180 Zimmern eine Reise wert. "Die Menschen kennen die ganze Welt, aber von den Sehenswürdigkeiten in ihrer Heimatregion wissen sie oft nichts", glaubt Bürgermeister Gerhard Walter.

Das Renaissance-Schloss ist das größte Fachwerkgebäude Niedersachsens, sagt Wolfgang Zeiss, der in seiner Stadtführer-Kluft angereist ist. Marlies Ameling hat in diesem Jahr zum ersten Mal Herzberg besichtigt. "Ich wollte es mir anschauen, nachdem ich die Entstehung der Miniatur verfolgt habe. Genau das möchte ich auch bei unseren Besuchern erreichen: Sie sollen sich fragen - wo steht das reale Vorbild? Und wie komme ich dahin?" Neben dem Kleinen Schloss Blankenburg und Schloss Wernigerode ist es bereits die dritte Schlossanlage im "Kleinen Harz".

Das Quedlinburger Rathaus ist das fünfte Gebäude seiner Art im Miniaturenpark. Nach drei Jahren Bauzeit ist es vor Kurzem samt Roland fertiggestellt worden. Die Besonderheit? "Besucher können hier auch mal richtig gut die Rückseite betrachten", sagt Marlies Ameling. Beim realen Rathaus im Quedlinburger Zentrum sei das schwierig. Wolfgang Scheller, der stellvertretende Quedlinburger Bürgermeister, freut sich über die exponierte Lage seines nachempfundenen Arbeitsplatzes im Miniaturenpark. "Es ist ein Impuls für Touristen, sich das Original anzuschauen", ist er überzeugt. "Ich gehe jetzt mal um das Modell herum und schaue, ob das Licht in meinem Arbeitszimmer brennt", sagt er und lacht.

"Ja, auch in Quedlinburg steht ein sehr schönes Rathaus", sagt Wernigerodes Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) augenzwinkernd. Anlässlich der Einweihung der beiden Modelle lobt er das stetige Wachstum des "Kleinen Harzes". "Es ist uns hier gelungen, einen Reiseführer für den gesamten Harz zu schaffen." Jahr für Jahr werde versucht, zwei neue Exponate zu präsentieren, um die Attraktivität der Anlage zu erhalten.

Ist überhaupt noch Platz für weitere Modelle? "Natürlich", versichert Marlies Ameling. Sie wünscht sich weitere Lückenschlüsse, wie das Bahnbetriebswerk der Harzer Schmalspurbahnen am Westerntor. "Das Gebäude gehört einfach zum Bahnhof dazu." Ein weiterer Wunsch ist das Große Schloss in Blankenburg. "Viele Besucher kommen immer wieder in den Miniaturenpark. Und ihnen wollen wir immer etwas Neues bieten."

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