Zwei Ideen bewegen die Gemüter. Der Landtagskandidat Avery Kolle wirbt für einen integrativen Kindergarten und für eine Gesamtschule nach dem Vorbild der Insel Fehmarn. Beides soll die Lebensqualität in der Stadt Oberharz verbessern - wird aber sehr skeptisch gesehen.

Stiege/Hasselfelde. Verbesserungen in der Betreuung von behinderten Kindern, für Schülerinnen sowie Schüler und sogar einmal Gymnasiasten in der Stadt Oberharz - das hat sich Avery Kolle aus Wernigerode auf die Fahnen geschrieben.

Der 34-jährige Elektroniker und Werbefachmann ist aus seiner Zeit bei der SPD bekannt und nimmt als parteiloser, unabhängiger Kandidat Anlauf zur Landtagswahl am 20. März. Dabei wirbt der ehemalige Benneckensteiner für seine Vorhaben.

"Das eine Projekt ist die Einrichtung eines integrativen Kindergartens für die Stadt Oberharz, so etwas gibt es nicht, wird aber gebraucht und würde auch Arbeitsplätze bringen", sagte Kolle letzte Woche beim Treff der Bürgerinitiative Oberharz in Hasselfelde. Und das zweite Projekt: Er strebe an, so Kolle weiter, dass in der Stadt Oberharz eine Gemeinschaftsschule entsteht, die am besten auch einen Gymnasialteil haben sollte. "Das wäre für die Region wichtig und von Vorteil", so Kolle.

Schon zur Premiere einer Diskussionsabend-Reihe unter dem Namen "Heißer Stuhl" hatte der Landtagskandidat unlängst im Museums-Café Stiege seine Ideen öffentlich gemacht. Befragt von Rolf und Yves König, bekannte sich Avery Kolle dort zum hiesigen Landtagswahlkreis als "seine Heimat" und bekräftigte, sich speziell für die Stadt Oberharz am Brocken stark zu machen.

"Trotz einiger Voraussetzungen ist es bisher nicht gelungen, eine integrative Kindertageseinrichtung zu schaffen", so Kolle. "Und eine Gemeinschaftsschule nach dem Vorbild der Insel Fehmarn würde die Lebensqualität in Stadt Oberharz verbessern. –

"Wenn das möglich würde, wäre es ja gut, aber ob die Schulstruktur nach den Schließungen der letzten Jahre nun nochmal verändert werden kann, das wage ich doch zu bezweifeln", reagierte Oberharz-Hauptamtsleiter Hans-Henning Friedrichs, für Schulen und Kindergärten zuständig, auf den Vorstoß. Es sei seinerzeit alles versucht worden, um Schulen in Hasselfelde, Benn-eckenstein und auch das Gymnasium in Elbingerode zu erhalten, ohne Erfolg. Und an der Sachlage hätte sich seit dem nichts groß geändert, so Friedrichs.

"Erstmal mit Leuten reden, die dafür zuständig sind"

Auch die Idee mit dem integrativen Kindergarten in Stiege sieht er skeptisch. "Dazu sind viele Voraussetzungen, Genehmigungen und vor allem Geld nötig, das die Stadt nicht hat", so der Hauptamtschef. Betroffene Kinder würden derzeit bereits betreut. "Gut wäre es auch, wenn Herr Kolle erst einmal mit Leuten spricht, die dafür zuständig sind, bevor er aktiv wird", merkte Friedrichs an. Er habe von derlei Ideen jedenfalls noch nichts gehört.

Die Bürgerinitiative Oberharz, bei der Avery Kolle seine Ideen erneut vorstellte, äußert sich nicht dazu. Regelrecht entsetzt waren Mitarbeiterinnen im Kindergarten Stiege ob der Idee, diesen zum integrativen Kindergarten umzubauen. "Was da alles nötig ist, und nie hat einer mit uns darüber gesprochen", sagte eine Betreuerin.