Trauer im Wildpark "Christianental": Luchs "Lucas" ist an Altersschwäche gestorben. Bei den Wernigerödern war das Tier sehr beliebt. Popularität erlangte "Lucas", als er vor 13 Jahren als Findelkind durch die Innenstadt irrte.

Wernigerode l Traurige Nachricht aus dem Wildpark "Christianental". Luchs "Lucas" ist gestorben. Am Sonnabend Morgen fanden Tierpfleger die Raubkatze tot in ihrem Gehege. Dass das Tier in den letzten Wochen kränkelte, war auch seinen Betreuern aufgefallen. "Er war verhalten, ruhiger als sonst", sagt Wildpark-Vize Frank Lüddecke. "Aber er hat bis zuletzt gefressen und zu den Pflegern Abstand gehalten - was eigentlich ein Zeichen dafür ist, dass es dem Tier gut geht." Der tote Luchs sei am Montag von einem Tierarzt untersucht worden. Seine Diagnose: Altersschwäche.

Dabei wusste niemand genau, wie alt "Lucas" wirklich war, kam er doch Anfang 2001 als Findelkind in die Obhut der Tierpfleger. Viele Wernigeröder erinnern sich noch gut an den Nordluchs, der vor 13 Jahren mitten in der Innenstadt für Aufsehen gesorgt hatte. Hinter der Nachtbar "Ars Vivendi" in der Nähe der Bahngleise wurde das Raubtier damals entdeckt. Mit einem Schuss aus dem Blasrohr wurde es betäubt und schließlich eingefangen. Das Besondere: Der 25 Kilogramm schwere Luchskater war nicht menschenscheu, trug aber keine Chipmarke unter dem Fell - wie bei registrierten Wildkatzen üblich. Woher das Tier ursprünglich stammte, ist noch immer ein Rätsel.

Schnell avancierte das Waisenkind zum tierischen Medienstar. In einer großen Volksstimme-Umfrage stimmten die Leser dafür, den Fundluchs "Lucas" zu nennen. Für mehr als 500 000 Euro wurde für ihn im Wildpark "Christianental" ein Gehege gebaut, wo er bis zu seinem Dahinscheiden mit seiner Gefährtin "Finnja" lebte.

Für die Luchsdame werde nun ein neuer Partner gesucht, informiert Frank Lüddecke. "Das wird sicherlich noch einige Wochen dauern." Das in Frage kommende Tier müsse vorher medizinisch durchgecheckt und geimpft werden.

Trotz der schnellen Suche nach Ersatz hinterlässt "Lucas" im Wildpark eine Lücke. Er war nicht nur einer der ältesten, sondern auch einer der beliebtesten Bewohner in dem Gehege. Viele Wernigeröder hatten den Luchs ins Herz geschlossen, der sich vor Tierpaten kaum retten konnte. "Er hat dazu beigetragen, dass die Leute ein größeres Verständnis für Luchse aufbringen", sagt Lüddecke. "Wann sieht man sich schon einmal Auge in Auge mit einer solchen Raubkatze?"

Auch unter den Wildpark-Mitarbeitern herrscht nun Trauer. "Wenn man so ein Tier jeden Tag sieht, baut man automatisch eine Beziehung zu ihm auf", sagt Lüddecke nachdenklich. "Er war schon ein besonders schönes und anmutiges Tier."