Wernigerode l Wenn Peter Habermann vom 9. Deutschen Chorwettbewerb spricht, dann ist er "immer noch ganz entrückt". Der Leiter des Rundfunk-Jugendchores des Landesgymnasiums für Musik in Wernigerode hat mit seinen Sängern in Weimar einen triumphalen Sieg gefeiert - den vierten nach 1990, 1998 und 2006.

Die Juroren in Weimar vergaben 24 von 25 möglichen Punkten. Der Abstand zum Zweitplatzierten war deutlich, der Kammerchor des Gymnasiums aus dem bayerischen Miesbach erhielt 21,5 Punkte. "Ich bin nicht so schnell zufrieden, aber das war eine Spitzenleistung", so Habermann. Dabei war Anfang des Jahres gar nicht klar, ob der Rundfunk-Jugendchor beim Wettbewerb antreten würde. "Ich wollte eigentlich nicht", sagt der Chorleiter. Nur drei junge Männer aus der zwölften Klasse waren dabei, die älteren männlichen Stimmen somit eher dünn besetzt.

Habermanns Strategie lautete deshalb: "Masse statt Klasse." Statt 45 wie sonst bei Wettbewerben nahm Habermann gleich alle 80 Chormitglieder mit. Eine gute Entscheidung auch im Hinblick auf den Austragungsort - der Saal und seine Akustik seien für Chorgesang nicht günstig gewesen. "Mit unseren vielen Stimmen konnten wir den Raum recht gut füllen", so der Leiter. Er ist stolz auf seine Schützlinge. "Wir haben sehr hart gearbeitet", betont er. Das war nötig, weil das etwa 15 Minuten lange Programm "sehr anspruchsvoll" gewesen sei. Die Stücke wurden eigens für die große Besetzung umgeschrieben. "Vielleicht war es gerade die Unsicherheit, die dazu geführt hat, dass sich alle besonders angestrengt haben."

Die Sänger erwartet nun eine besondere Ehre: Der Rundfunk-Jugendchor tritt am 15.Juni bei den Händelfestspielen in Halle auf. Beim Konzert in der Galgenbergschlucht werden rund 5000 Besucher erwartet.

Grund zum Feiern hat auch das Vokalensemble Phonova mit seinem Leiter Bertram Zwerschke. Die 25Sängerinnen, die zuvor im Mädchenchor und im Rundfunk-Jugendchor Mitglied waren, erhielten in ihrer Kategorie 21 Punkte der Jury. "Ein schöner Lohn für die Mühen im Vorfeld und eine Bestätigung der eigenen Arbeit", so Zwerschke. Damit teilten sie sich den dritten Platz mit dem Monteverdi Frauenchor. Dies sei umso bemerkenswerter, weil die Konkurrenz unter den Frauenchören sehr stark gewesen sei, erklärt der Chorleiter. Und anders als andere können die Phonova-Sängerinnen, die zum Teil nicht mehr in ihrer Heimatstadt leben, nicht wöchentlich proben. Nun steht das nächste Projekt an - ein geistliches Konzertprogramm, das die Sängerinnen unter anderem bei einer Konzertreise im Raum Tübingen vorstellen.

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