Wernigerode l An einem Pilotprojekt teilzunehmen, hat häufig Vorteile - kann aber auch gewaltige Nachteile mit sich bringen. Diese Erfahrung musste Gerald Hahne, Leiter Abteilung Verkehr bei den Harzer Verkehrsbetrieben (HVB), machen. Ende des vergangenen Jahres wurden die Halberstädter, Quedlinburger und Wernigeröder Busflotten mit einem einheitlichen Bordsystem ausgestattet - eine technische Notwendigkeit, damit künftig auch Wernigeröder Busse in Halberstadt fahren können und umgekehrt.

Das Pilotprojekt der Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt (NASA) spart der HVB eine Stange Geld. Denn die supermodernen Bordrechner der Münchner Firma Atron werden angemietet. Ein einzelner Bordcomputer würde bei der Anschaffung mit 4000 Euro zu Buche schlagen. Die sogenannten Fahrscheindruckautomaten sind allerneuster technischer Stand. Sie vernetzen die Busse per SIM-Karte mit den Rechenzentren im Betriebshof, geben Einnahmen an, per Internet melden sie Verfrühungen und Verspätungen.

"Die Busse sind jetzt interaktiv", schwärmt Gerald Hahne. Er ist begeistert von der Technik - wäre da nicht ein Problem: "Seitdem wir die Drucker im November in Betrieb genommen haben, können auf den Anzeigen in den Bussen nicht mehr als 16Buchstaben dargestellt werden." Die Konsequenz: Statt der ausgeschriebenen Haltestellen-Bezeichnung "Wernigerode Am Auerhahn" ist in den Bussen zu lesen: "Wernigerode am A". Leuchtend rot auf schwarz. Nicht weniger bizarr klingen Abkürzungen wie "Wernigerode im B" (Im Bodengarten), "Wernigerode Hund" (Hundertmorgenfeld) und "Wernigerode Hass" (Hasserode oder Hasseröder Ferienpark). "Wir haben Busse von 1992, jetzt bauen wir Technik von 2013 rein. Dass es zu Konflikten kommt, ist normal", sagt der Halberstädter. Eine Lösung für das Problem wollten die Verkehrsbetriebe bereits zum 1. Januar finden. "Wir haben auf ein Update für das System gewartet", erklärt Hahne die Verzögerung.

Er spricht von einer neuen Version des Programms, mit dem die Drucker betrieben werden. Das soll die Anzeigetechnik optimieren. Die HVB-Mitarbeiter haben eng mit dem Münchner Hersteller zusammengearbeitet. "Wir haben der Firma erklärt, dass man die Anzeigen auch so takten kann, dass sie erst `Wernigerode` einblenden und dann den kompletten Haltestellennamen", so Hahne. "Sie wussten gar nicht, dass das möglich ist." Bei der HVB lag die Lösung auf der Hand - denn genau so haben auch die alten Geräte funktioniert: Zunächst wird der Ort angezeigt, dann die Haltestelle. Seit einigen Tagen testet die HVB in ausgewählten Bussen, ob das Programm läuft. Im Juli soll die Umstellung bei allen 140 Bussen erfolgen.

Mit der neuen Software werde auch ein Problem bei den Außenanzeigen gelöst. "Bisher konnte an der Busfront nur das Wort `Dienstfahrt` angezeigt werden, automatisch waren auch Werkstatt- und Sonderfahrten plötzlich Dienstfahrten." Das neue System ermögliche es, alle drei Varianten anzuzeigen.

Die Fahrgäste hätten nachwievor kein Verständnis für das Kauderwelsch auf den Busanzeigen, sagt Hahne. "Im November ging es los, dass sich die Leute massiv beschwerten. Dann war es kurz ruhig. Und seit März kommen wieder Anrufe und Mails."

Mehr als 100 Haltestellen gibt es in Wernigerode. Die HVB-Busse legen jährlich etwa 8,1 Millionen Kilometer im Linienverkehr zurück. 2013 beförderten sie rund 7,6 Millionen Fahrgäste.

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