Fahrradfahrer haben in Wernigerode nicht überall freie Fahrt. Doch daran will die Stadtverwaltung arbeiten. So könnten fast alle Einbahnstraßen für Radler in beide Richtungen freigegeben werden.

Wernigerode l Wer in Wernigerode mit dem Fahrrad unterwegs ist, der hat mancherorts mit Schwierigkeiten zu kämpfen (Volksstimme berichtete). Nicht für alle Problemzonen gibt es einfache Lösungen, sagt Bianca Cöster von der Wernigeröder Stadtverwaltung.

Das gilt für den Dornbergsweg: "Das ist ein Problemfall", sagt Bianca Cöster. Als die Straße Mitte der 1990er Jahre ausgebaut wurde, hielt man kombinierte Rad- und Fußwege für ideal. Inzwischen ist belegt, dass Fußgänger und Radfahrer sich häufig ins Gehege kommen und letztere auf der Straße sicherer sind. Deshalb ist das Ziel, Radler wieder verstärkt auf die Fahrbahn zu lenken. "Die Behörden müssen hier unter nicht optimalen baulichen Bedingungen annehmbare Regelungen finden", erklärt Bianca Cöster.

Weil der Dornbergsweg Landesstraße ist, kann die Stadtverwaltung nicht selbst eingreifen. Damit sich etwas bewegt, will sie aber zusammen mit der Kreisverwaltung eine Verkehrszählung auf den Weg bringen. "Auch wenn es nicht primär unsere Aufgabe ist, wollen wir die Erhebung personell unterstützen", so Bianca Cöster. Diese soll Daten liefern, um neue Regelungen durchsetzen zu können.

Dies bestätigt Georg Türke, Leiter des Kreisordnungsamtes. Nach einem Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichtes müsse bei allen Radwegen die Benutzungspflicht überprüft werden. Wann allerdings Ergebnisse vorliegen, sei offen.

Eine Lösung wäre, es Radfahrern freizustellen, ob sie Fuß- und Radwege oder die Straße nutzen. Seit Mitte September 2013 ist dies an der Friedrichstraße der Fall - befristet bis Ende Juni. Die Erfahrungen sind aber so gut, dass es voraussichtlich dabei bleiben wird, erklärt Amtsleiter Türke.

Problematisch sind die Vorfahrtsregeln an den Kreisverkehren der Stadt. Radler müssen Autos Vorfahrt gewähren - eine Regelung, die es so nur in Wernigerode gibt, normalerweise haben Fußgänger und Radfahrer Vorrang. Das sorge für Unsicherheit, aber offenbar auch dafür, dass alle besonders aufmerksam seien. "Wir verzeichnen kaum Unfälle. Trotzdem stößt es immer auf viel Kritik", weiß Bianca Cöster.

Ändern wird sich aber die Ampelschaltung an der Krankenhauskreuzung. Hier sollen Radler künftig in einer Grünphase durchfahren können, so Bianca Cöster. Die Landesstraßenbaubehörde hat die Genehmigung erteilt, sagt Stefan Hörold, Regionalbereichsleiter West. Wann die neue Schaltung kommt, ist noch offen.

Zudem sind im städtischen Verkehrskonzept einige Neuerungen für den Radverkehr im Zentrum vorgesehen. So könnten fast alle Einbahnstraßen in Wernigerode auch in der Gegenrichtung für Radfahrer geöffnet werden. Das haben die Planer vorgeschlagen. "Da sehen wir keine Probleme", sagt Bianca Cöster. Bei den bereits freigegebenen Einbahnstraßen im Zentrum gebe es keine Schwierigkeiten, Unfälle seien selten. Eine Ausnahme sei die Marktstraße. Weil auf beiden Straßenseiten geparkt werden darf, sei es dort sehr eng. "Aber Radfahrer finden in der Regel eine Lücke, in die sie ausweichen können", so Bianca Cöster.

So gut wie sicher ist, dass die komplette Promenade bis zum Holfelder Platz zur Fahrradstraße wird. Dort seien die Bedingungen "ideal", in der Nöschenröder Straße hingegen kein Platz für Radler. Wenn es nach den Planern geht, soll auch die Ringstraße, in der viele mit dem Auto unterwegs sind, zur Fahrradstraße werden. "Das muss man intensiv prüfen", sagt Bianca Cöster. Allerdings könnten Fahrradstraßen für Autos geöffnet werden. Der Unterschied: Radler dürfen nebeneinander fahren, sich überholen und genießen grundsätzlich Vorrang. Mit Vorsicht und Rücksichtnahme wäre das sicher zu bewältigen. "Wenn alle dies verinnerlicht hätten, würde auch vieles andere besser funktionieren".