Minsleben/Reddeber l Die Regale in Horst Schädels kleinem Büro biegen sich fast unter der Last der Aktenordner. "Ortschronik Minsleben" steht auf 21 von ihnen. Der 75-jährige Reddeberaner schreibt seit vier Jahren an der Geschichte des Nachbarortes - weil sich dort niemand gefunden hat, der diese Aufgabe übernehmen wollte.

Mit der Historie vor der eigenen Haustür hat der Maschinenbauingenieur im Ruhestand reichlich Erfahrung. Vier Bände über die Ortsgeschichte von Reddeber hat er verfasst, zusätzlich zu drei bereits vorliegenden. Diese Arbeit ist für ihn abgeschlossen. "Da füge ich nur noch Ergänzungen ein, wenn ich im Archiv etwas Neues finde oder vielleicht ein ganz neues Kapitel angehe", sagt Horst Schädel.

Weil sich der frühere Ortsbürgermeister damit aber nicht ausgelastet fühlte, kam ihm die Minslebener Chronik als neue Herausforderung gerade recht. Als Basis dient die Festschrift zur 1000-Jahr-Feier, die der Ort im Jahr 2000 begangen hat. Horst Schädel lobt die Arbeit, die der Historiker Uwe Lagatz vorgelegt hat und auf die er nun aufbaut.

In 13 Kapiteln beschreibt er die Geschichte des Ortes von der Zeit um 5000 vor Christus bis in die Gegenwart. Themenbezogen widmet er sich darin etwa den Ereignissen des Mittelalters, dem Minslebener Adel, Vereinen, Sitten und Bräuchen sowie der Wirtschaft. "Minsleben gehört zu den ältesten Orten im Harzvorland", erklärt Schädel. Entsprechend reich ist seine Historie, die er unter anderem in den Landesarchiven Magdeburg und Wolfenbüttel sowie im Harzer Kreisarchiv und dem Stadtarchiv Wernigerode recherchiert hat.

Ein Jahr hat Horst Schädel allein mit der Übertragung der Kirchenbücher in heutiges Deutsch zugebracht - nicht nur der aus Minsleben, sondern auch aus Reddeber sowie punktuell aus Silstedt, Darlingerode, Veckenstedt, Wasserleben und Benzingerode. Um diese zu entziffern, hat er Lehrgänge in Magdeburg besucht. "Die Fleißarbeit gehört dazu", sagt er.

Deshalb kann er zahlreiche Geschichten und Anekdoten erzählen. So fand er etwa heraus, dass Minsleben beinahe von Silstedt eingenommen worden wären. Um 1471 wurden große Teile des Ortes wüst, die Fläche lag bis zum 30-jährigen Krieg brach. Die Nachbarn begannen, die Felder zu bestellen, bis 1686 das Rittergut eine Schenke bauen lassen wollte und feststellte, dass der Silstedter Gemeinderat die Fläche für sich beanspruchte. "Das Grafenhaus hat dies dann in einem Grenzbrief korrigiert", weiß Ortschronist Schädel.

Bis Ende des Jahres will er seine Arbeit abschließen - mithilfe der Stadtverwaltung, die ihm die Auslagen erstattet. Er selbst hat immer Fotoapparat und Kopierer im Auto, sodass er jederzeit seine Recherchen festhalten kann. "Wenn ich etwas herausfinden will, dann sind Zeit und Geld, die ich dafür auswende, egal."

So war es etwa mit der Chronik seiner Familie, die er bis ins Jahr 1508 zurückverfolgte und für die er bis nach Polen und in die USA reiste. Wenn er die Chronik Minslebens abschließt, wartet immer noch genug Arbeit auf ihn. "Man wird nie fertig", sagt er.